RapSpot.de*Zwei Sichtweisen und jede Menge tolle Fotos
Das splash! 2012
»Zwei Sichtweisen und jede Menge tolle Fotos«
Julius vom 20.07.2012

Wenn man auf das Splash kommt, hat man manchmal das Gefühl, es gibt nur zwei verschiedene Arten von HipHop-Fans. Die einen sind die Die Hard Fans, die ihre eigene Richtung feiern, sei es nun im deutschen oder im amerikanischen Rap, und sich nur sehr schwer neuem öffnen können. Und die anderen, die offen für alles sind und die auch nicht unbedingt ständig hinterfragen, ob dieses oder jenes überhaupt noch HipHop ist. So können auch innerhalb einer Redaktion zwei relativ unterschiedliche Sichtweisen auf das Splash!-Festival aufeinandertreffen. Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings immer: Sie haben alle ein mitreißendes, ereignisreiches und vor allem spaßiges Wochenende verlebt. Julia und ich haben mal unsere Erlebnisse zusammengefasst und gegenübergestellt. Vielleicht findet ihr euch ja in einem der beiden Berichte wieder. Zuerst der Report von Julia. Viel Spaß beim Lesen.



Bevor ich das splash!-Gelände zum ersten Mal betrat, war ich noch völlig unerfahren, was mehrtägige Festivals betrifft. Also freute ich mich im Vorfeld nicht nur auf das tolle Lineup mit vielen meiner Lieblingen, sondern auch darauf, das ganze Drumherum kennen zu lernen. Netterweise wurden meine beiden Teamkollegen Lina und Manuel und ich am Donnerstag direkt von einem Gewitter mit heftigen Regengüssen begrüßt. Wenigstens stand zu dem Zeitpunkt unser Zeltlager schon und der gute Bailey's half zusätzlich dabei, darüber hinwegzusehen. Während des Auftritts von Ahzumjot erreichten wir schließlich das Festivalgelände, sodass wir an diesem Abend zumindest noch Cros Performance komplett miterlebten. Schneller als erwartet ging der erste Tag dann vorüber und wir tankten zumindest für ein paar wenige Stunden die so notwendige Energie.

Am Freitag gab es für mich das erste Mal die Gelegenheit, das Festivalgelände zu erkunden und ich freute mich sowohl über den Verkauf von Bubble Tea, als auch über die Plattenstände, bei denen ich direkt einen erheblichen Teil meines Budgets ausgab. An allen Tagen des Festivals konnte man mich abends meist an einer ähnlichen Stelle finden: Vor der Aruba-Stage, relativ weit vorne. Zu meinem Glück spielten fast alle Künstler, die ich unbedingt sehen wollte, auf dieser Bühne und oft sogar direkt hintereinander. Der freitägliche Konzertmarathon startete allerdings ganz anders als erwartet. Durch den Ausfall von MoTrip verschob sich die komplette Running Order des Tages und so kam es, dass vor den Lords of the Underground noch ein gewisser MC Fitti einige seiner Tracks zum Besten gab. Wäre seine Aufmachung an sich nicht schon trashig genug gewesen, so wurde der bärtige Rapper noch von seinen Homies und drei als Flamingos verkleideten Tänzerinnen begleitet. Da das Publikum ungeduldig auf die Lords wartete und sich deren Fanbase wohl eher wenig mit der von MC Fitti überschneidet, wurde dieser ausgebuht und mit Bechern beworfen. Man muss ihm aber zugute halten, dass er seinen Auftritt beinahe unbeirrt durchzog und sogar zweimal seine Party-Single „30 Grad“ trällerte. Trotzdem war die Freude umso größer, als Lord Jazz und die beiden muskelbepackten MCs eine Stunde später als geplant die Bühne betraten und eine gewohnt gute und unterhaltsame Show ablieferten. Nachdem mit „Chief Rocka“ ein optimaler Abschluss gefunden war, änderte sich die Stimmung der Menge schlagartig. In der halbstündigen Pause zwischen zwei Auftritten machten sich immer mehr große, kräftige Männer vor der Bühne breit, die es ganz offensichtlich nicht mehr abwarten konnten, ihre Idole Kollegah und Favorite vor sich in Aktion zu erleben. Als die beiden Selfmade-Rapper schließlich auf der Aruba-Stage standen, verbesserte sich dieser Zustand natürlich nicht, im Gegenteil. Auch wenn ich gerne beobachtet hätte, wie Kolle seine unglaublichen Doubletime-Skills zur Schau stellte, bekam ich nur einen Bruchteil davon mit. Die meiste Zeit war ich damit beschäftigt, meine Existenz energisch mit meinen Ellenbogen zu verteidigen und mich davor zu bewahren, auf den Boden geschubst zu werden. Kurios fand ich, mitten in der pogenden Masse ein (zugegeben völlig benebeltes) Pärchen zu beobachten, das heftig aneinander rumleckte...
Nachdem das Selfmade-Team abgezogen war, stand wieder deutlich mehr Luft zur Verfügung und ich fühlte mich nicht mehr ganz so bedroht. Von Leere konnte man trotzdem bei Weitem nicht sprechen und auch von der guten Atemluft konnte man nicht so lange zehren, denn es fanden sich immer mehr kiffende Hipster-Gestalten und andere Festivalbesucher ein, um den Hype der Stunde, A$AP Rocky, zu feiern. Begleitet von Kollegen A$AP Twelvy und unzähligen „Swag!“-Rufen präsentierte der Pretty Motherfucker viele seiner Hits und beendete das Spektakel mit einem Stage-Diving. Außerdem holte er diverse Leute aus der Crowd zu sich auf die Bühne, um zusammen abzugehen. Als schließlich alle Beteiligten von der Bühne abgezogen waren, wurden fleißig die Instrumente für Nas' Liveband aufgebaut. Dessen Auftritt war nämlich von der Main-Stage auf die Aruba verlegt worden und daher konnte ich mich glücklich schätzen, einen der für mich wichtigsten MCs aus größtmöglicher Nähe beobachten zu können. Auch wenn er seine Show mit einem eher enttäuschenden „Hip Hop Is Dead“ einleitete, wurde ich kurz danach durch eine Aufeinanderfolge von „Illmatic“-Klassikern entschädigt. Lässt man die traurige Tatsache, dass der Sound um einiges besser hätte sein können, außer Acht, kann man auf einen Auftritt zurückblicken, der Nas' Ruf gerecht wird und viele der Meilensteine seiner Diskografie aufgriff. Mit dieser Erkenntnis ging für mich der erste richtige Tag des Festivals vorbei und ich spürte bereits, dass meine Stimme stark strapaziert worden war...

Der Samstag war mein Lieblingstag. Tagsüber konnte ich mich noch für den Abend rüsten, etwas entspannen, Interviews führen und mich an den Leckereien, die an diversen Essensständen angeboten wurden, erfreuen. Am Abend hieß es für mich dann wieder: Auf zur Aruba-Stage! Nachdem ich noch den Rest der Party von Dubsteb-Künstler P Money mitbekam, konnte ich es gar nicht mehr erwarten, drei meiner Favoriten direkt hintereinander zu erleben: Danny Brown, Big K.R.I.T. und DOOM. Los ging es mit dem frechen Sympathieträger Danny Brown, der sowohl durch sein farbenfrohes Outfit als auch durch sein Rockstargehabe und seine einnehmende Bühnenpräsenz überzeugte. Und auch sein DJ, der alle Lyrics enthusiastisch mitsang, sorgte dafür, dass begeistert gefeiert wurde. Die Beats von Tracks wie „Radio Song“ oder „Blunt After Blunt“ hallten brutal durch das Zelt, während Danny seine Raps durch eindeutige Gesten wie den Griff an seinen Sack untermalte. Der erste der drei Auftritte hatte schon mal einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch wenn bei Big K.R.I.T. danach nicht weniger begeistert gefeiert wurde, so unterschied sich die Stimmung trotzdem ein wenig. Das Südstaaten-Talent wartete mit einem Set auf, das zwar zweifellos sehr festivaltauglich war, zu meinem Bedauern aber deepere Tracks wie „The Vent“ oder „Dreamin'“ aussparte. Nichtsdestotrotz erfreute ich mich sehr an dem energiegeladenen jungen Mann, der sich auch von einem ordentlichen Sturz während der Show nicht beirren ließ und ungerührt weitersprang. Obwohl K.R.I.T. schon über ein recht beachtliches Song-Repertoire verfügt, dauerte seine Show leider trotzdem kürzer als eigentlich angesetzt. War zwar schade, aber ich werde es dennoch als eine tollen Auftritt in Erinnerung behalten. Nach diesen zwei großartigen Darbietungen war ich umso gespannter, was Maskenmann DOOM für eine Vorstellung bieten würde. Ich war verwundert, dass er sich entschloss, ganz ohne DJ im Hintergrund aufzutreten. Dafür hatte er einen Backup dabei, der mindestens doppelt so breit wie Wonneproppen DOOM war und mich persönlich eher nervte, als dass er wirklich etwas Konstruktives zur Show beitrug. Als Ausgleich liefen auf den Bildschirmen im Hintergrund verschiedene Comic-Videos, die das Ganze einzigartiger machten und Tracks wie „All Caps“ gekonnt visuell unterstützten. Allgemein begeisterte es mich, dass DOOM viele Titel vom „Madvillain“-Projekt spielte und auch einige wichtige Songs seiner Solo-Alben zum Besten gab. Dennoch wurde es mir mit der Zeit etwas zu affig, mich vor King Geedorah zu verneigen oder mit meinem Armen ein großes M über meinem Kopf zu bilden. War trotzdem eine kreative Idee, das muss man ihnen lassen. Außerdem fehlten mir einige wichtige Tracks, weswegen ich von DOOM im Nachhinein nicht ganz so begeistert bin wie von den anderen beiden. Auch wenn für mich damit das Programm der Aruba-Stage gelaufen war, so schaute ich mir an diesem Abend noch einen weiteren Künstler an. Stones Throw Mann Dâm-Funk legte auf dem Grenada-Floor sowohl seine eigene Musik als auch andere Funkplatten auf. Tatsächlich verwendete er wirklich Vinyls, sang manchmal auch selbst, verschenkte zwischendurch einige Exemplare seiner Alben an das Publikum und wanderte mit seiner Keytar durch die Menge und ließ einige Freiwillige ein bisschen darauf spielen. Er machte aus seinem Set also eine unterhaltsame Show und sorgte dafür, dass man den Abend mit einem ausgelassenen Tanz ausklingen lassen konnte.

Am Sonntag Morgen merkte ich, wie sehr meine Stimme durch mein begeistertes Mitsingen in Mitleidenschaft gezogen worden war. Tagsüber bauten wir unser Zeltlager schon zum Teil ab, doch wir hatten auch noch redaktionelle Arbeit zu tun, denn an diesem letzten Tag standen noch einige Interviews an. Als wir am Festivalgelände ankamen, erfuhren wir, dass es eine Unwetterwarnung gab und sich die Eröffnung des Geländes nach hinten verschieben würde. Zum Glück konnten wir das Unwetter in einem Lagerhaus überbrücken und tatsächlich war es viel weniger dramatisch als zunächst vermutet. Während der Nachmittag also hauptsächlich den Pflichten eines RapSpot-Redakteurs gewidmet war, gab es im späteren Verlauf des Tages noch einige Highlights des splash!-Wochenendes zu bestaunen. Erst rissen die Dilated Peoples souverän wie immer die Aruba-Stage ab und konnten mir bei Highlights wie „Kindness For Weakness“ oder „You Can't Hide, You Can't Run“ ein letztes feierwütiges Krächtzen entlocken. Danach wurde eine ebenfalls kraftvolle Performance präsentiert, allerdings der ganz anderen Art. Das kleine Powerpaket Nneka schaffte es zusammen mit einer Liveband, bei mir einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und mich tief zu berühren. Obwohl sie mir vorher nahezu unbekannt war, sprach mich ihre Art sehr an und ich war dankbar dafür, auf diesem Festival auch einen Auftritt gesehen zu haben, bei dem der Fokus gar nicht auf dem Feiern lag. Ganz „Young, Wild and Free“ fühlte ich mich, als ich Wiz Khalifas Show aus sicherer Entfernung mithörte und auf dem Fußweg vom Festivalgelände zum Campingplatz das pompöse Abschlussfeuerwerk bewundern konnte. Es war ein gelungener Abschluss des Wochenendes, die bunten Lichter von weitem über dem Festivalgelände erstrahlen und ihre letzten Spiegelungen im See verblassen zu sehen.


Und zum Vergleich gibt es nun meinen Bericht. Man muss vielleicht dazu sagen, dass Julia für RapSpot unterwegs und auf dem VIP-Zeltplatz und im Backstage gechillt hat, und ich einfach nur ein entspanntes Wochenende auf dem normalen Zeltplatz hatte. Jetzt aber meine Eindrücke.


Jedes Jahr das Gleiche. Man wartet voller Vorfreude ein Jahr und dann ist es plötzlich auch schon wieder vorbei. Das splash! Ein Wochenende voller Spaß, Bier, Action, grünem Gold und natürlich ganz viel von der Musik, die wir lieben. Und jedes Jahr wieder verlasse ich das Festival mit einem Lächeln auf dem müden Gesicht und denke mir: es hat sich mal wieder gelohnt. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder.

Seit letztem Jahr ist es ja so, dass das Festival eigentlich schon am Donnerstag beginnt. Daher kommt es auch, dass die besten Plätze auf dem Zeltplatz schon belegt sind, als wir gegen um 4 eintreffen. Noch dazu, wo das splash! das erste Mal in der Geschichte ausverkauft ist. Aber wir sind ja flexibel und bekommen unsere sieben Zelte plus Pavillon noch irgendwie unter. Nun könnte es eigentlich losgehen, allerdings macht uns das Splash-Wetter einen Strich durch die Rechnung. Deshalb werden die ersten 5.0-Dosen geleert, bevor wir unser Ticket tauschen gehen. Zum Glück akzeptieren die Bändchenverteiler die durchnässten Barcodes. Das restliche Ticket hatte sich leider verflüssigt. Jetzt aber zum Festivalgelände, wenigstens noch Ahzumjot und Cro sehen. Weekend, Olson und die 257ers haben wir leider verpasst. Sollen aber sehr gut gewesen sein. Als wir ankommen, das gleiche Bild wie auf dem Zeltplatz. Für den Donnerstag eine schier unfassbare Menschenmasse am Start. Man könnte meinen wir hätten Samstag kurz vorm Headliner. Aber immerhin ist ja Chartstürmer Cro angesagt, der in meinen Augen auch locker einen späten Slot auf der Hauptbühne verdient hätte. Aber erstmal gibt’s Kumpel Ahzumjot. Der junge Mann reißt ordentlich ab mit den elektronisch wummernden Tracks seines Kritikerlieblings „Monty“. Mein persönliches Highlight stellte „Hauskindfrau“ mit seiner astreinen Mitgröhlhook dar. Mit kleiner, superstarmäßiger Verspätung folgt der Pandajunge und feiert die Veröffentlichung seines Albums „Raop“ mit seinen Fans, die die Platte später am Merchandise-Stand käuflich erwerben können. Pünktlich ab Mitternacht des Releasetags. Danach gibt es noch eine Runde Beer Pong, dann aber ab in den feuchten Schlafsack, wir wollen ja für das eigentliche Festival fit sein.

Am nächsten Morgen ist das Wetter glücklichweise wie ausgewechselt, obwohl uns der Regen während der kompletten Festivalzeit nicht in Ruhe lässt. Es kommt noch sehr häufig vor, dass der Regen sich kurz mal vor die Sonne geschoben hat, nur um kurz darauf wieder komplett zu verschwinden. Aber so können wir erstmal baden gehen, chillen, grillen und natürlich Bier trinken. Und aufjedenfall ganz viel nichts machen. Ausnüchtern. Vorbereiten auf den nächsten Abend. Als ersten Act haben wir Kollegah und Favorite auserkoren, danach sollte MoTrip folgen. Aber schon auf dem Zeltplatz hören wir die ersten Gerüchte. Der Timetable und die Running Order wurden verändert. Als wir mit unserem Fahrrad ankommen, weil wir das Busgeld sparen wollten, gibt es Gewissheit. Alles ist etwas umgeschoben. Nas hat seinen eigentlich logischen Headlinerslot, allerdings auf der Nebenbühne gleichzeitig mit Savas. Schonmal kacke. Was aber im ersten Moment nach Starallüren des Queensbridge Soldiers aussieht, stellt sich später als krankheitsbedingtes Absagen von MoTrip raus. Schade, ich hatte mich sehr auf ihn gefreut. Aber egal, es wurde zum Glück keiner nach vorne geschoben, den wir uns anschauen wollten und so konnten wir eine abgefahrene Show von Kollegah und Favorite sehen. Kolle hatte auf dem Weg zum Splash! extra einen Exclusive-Part geschrieben, bei dem u.a. Vega sein Fett wegbekam. Dazu wurde kräftig gepogt und zum Finale alle Mittelfinger in die Luft gestreckt. Ein Konzert genau nach meinem Geschmack. Nach dieser fulminanten Show, war Amerikas Hype der Stunde A$AP Rocky an der Reihe. Auch dort wurden die Dreads geschüttelt, was das Zeug hält. Da ich mir den Harlemiten eher aus Interesse, denn aus Fantum angeguckt hatte und dementsprechend eher weniger Songs kannte, wollte der Funke nicht so recht überspringen. Dafür wurde ich im Anschluss von Nas entschädigt. Der Mann, der mit „Illmatic“ in meinen Augen das einzige perfekte Rapalbum veröffentlicht hat, kam mit Liveband und unzähligen Klassikern im Gepäck und riss die Bude komplett ab. Getreu dem Motto „Life is Good“, wie es so schön auf seinem neuen Album heißt. Achja, ein Stück Fard habe ich zwischendurch auch gesehen. Das wars dann aber auch schon wieder von der Hauptbühne. Alles andere ging auf der Aruba Stage. Zum Abschluss des Tages haben wir uns dann noch eine gehörige Portion Bass von Kid Simius in den Magen prügeln lassen, bevor wir halbtod ins Zelt fielen.

Aber viel Zeit zum Schlafen gibt es auf einem Festival bekanntlich nicht, auch weil das Zelt morgens um 9 schon gefühlte 50 Grad hat. Also raus aus den Federn und erstmal ab in den See. Nach einem Tag, wie es der vorherige bereits auch ware, sprich Komplettkoma, ging es diesmal schon um 17 Uhr für uns los. Immerhin hatte ich so nochmal Zeit zwischendurch zum Zelt zurück zu fahren und eine Kleinigkeit zu essen, was sich dank des langen Weges sonst eher als schwierig gestaltete. Auf dem Festivalgelände starteten wir an diesem späten Nachmittag aber mit Taktloss. Er kam zusammen mit Justus, dem von mir schon verloren geglaubten Jack Orsen und extrem dichter Taliban-Gesichtsbehaarung auf die Bühne und riss eine seiner berüchtigten Liveshows ab. Was macht sein Label? Ihr wisst schon. Hätte in meinen Augen auch einen Headlinerplatz auf der Aruba Stage verdient. Auf dem Rückweg sehen wir noch den Schluss von Raf 3.0. Ebenfalls absolut fesselnd. Hätte nicht Taktloss zur gleichen Zeit gespielt, ich hätte mir wohl Raf angeguckt.
Da ich Torch und seine Freunde schonmal in Leipzig gesehen hatte, zog es mich erst später wieder zu den Bühnen. Ich sah das Ende von Torch und den Anfang von Max Herre, die mich allerdings beide nicht wirklich vom Hocker rissen, weshalb ich zu Big K.R.I.T. vor die Aruba Stage wechselte, der ein souveränes Konzert ablieferte, obwohl ich kaum Tracks von ihm kannte. Das war aber nur ein kleines Aufwärmprogramm, zu dem was jetzt folgte. Die Beginner, der Headliner des Abends gaben sich die Ehre und traten mal wieder in voller Besetzung und ohne Jan-Delay-Funk-Band-Musik, sondern mit echtem Rap und echten Klassikern. One DJ, two Mics. Mehr braucht man eben nicht im Rap, um ein phänomenales Konzert zu spielen. Ich war wirklich beeindruckt. Es wurden alle Hits gespielt und als die Füchse-Rufe lauter worden, beruhigte Eißfeld die Meute und das Trio packte erstmal ein kleines Beastie Boys Medley zu Ehren des verstorbenen MCA aus, nur um zum krönenden Abschluss ihren gefeierten ÃÅ“bertrack zu spielen. Das Publikum flippte komplett aus, ich ebenso. Ein wirklich ehrwürdiger Headliner für den Samstagabend, und wohl auch für das komplette Splash. Wie jeden Abend schauten wir danach noch bei einer Aftershow Party im Samoa Tent vorbei, wo gerade DJ Dynamite ein gelungenes Hitfeuerwerk abbrannte und man bis in den Morgengrauen tanzen konnte.

Der Finaltag fing so an, wie jeder andere Tag auch. Zusammengefasst: Bier, Bier, Regen, Bier, Grill, Bier, Grünes, Grill, Bier. Und was könnte bei diesem Tagesablauf näherliegen, als dem Biergarten mal einen Besuch abzustatten. Schließlich gab sich niemand geringere als mein Lieblingspullunderträger DCVDNS die Ehre. Leider war ich anscheinend nicht der einzige der sich darauf freute, so dass ich leider nicht viel vom Mann aus dem Saarland sehen konnte, da mir riesige Sonnen-, bzw. wohl eher Regenschirme und ganz viele Menschen im Weg standen. Enttäuscht machte ich mich also schon auf zum Festivalgelände, um mir dort die unfassbar leckere und jedem zu empfehlende Handbrotzeit zu besorgen und mir mit vollem Magen den Retrogott und Hulk Hodn aka Huss & Hodn anzugucken. Das Duo lieferte eine sehr puristische Performance ab, die gut zur Musik gepasst hat. Ganz anders Kraftklub, die ich mir danach anguckte. Immer wieder einen Besuch wert, gab es eine energiegeladene Show inklusive Wall of Death zu sehen. Ob nun HipHop oder nicht spielt dabei überhaupt keine Rolle, die Jungs fetzen und man muss sie einfach mögen. Darauf folgte einer von gerade mal vier Acts, die ich mir unbedingt und um jeden Preis angucken wollte. Mac Miller war da, um die Crowd mit seinen Kiffertracks genauso zum jubeln zu bringen, wie mit seinen Synthies auf Tracks wie „Smile Back“. Der Auftritt war gut, aufgrund der hohen Erwartungshaltung, hatte ich mir aber wohl mehr erhofft. Als letzter Act des Abends gab sich sein Pittsburgher Kumpel Wiz Khalifa die Ehre. Zusammen mit seiner Liveband gab er ebenfalls seine Kifferhymnen aus seinem Album „Rolling Papers“, sowie aus seinen gefeierten Mixtapes, zum Besten. Wiz krächzt sich etwas windschief durch seine Parts und Singsang Hooks. Dazu kommt sein legendäres Lachen. In Kombination mit seinem etwas fragwürdigen Outfit, macht er doch einen durch und durch sympathischen Eindruck und hat sichtlich Spaß. Zum krönenden Abschluss lässt er das gesamte Publikum nochmal kollektiv zu seiner neuen Hymne „Work Hard Play Hard“ und seinem ÃÅ“berhit „Black & Yellow“ Nüsse gehen. Ein tolles Ende für ein tolles Festival. Könnte man meinen. Aber da war ja noch die groß angekündigte ÃÅ“berraschung. Moderator Roger Rekless deutete auf die Videowand, um den Headliner für nächstes Jahr bekannt zu geben. Aber da war nur ein schwarzer Bildschirm. Plötzlich erschien Casper und erzählte etwas. Was genau konnte keiner verstehen, denn der Ton fehlte. Zudem wurde das 16. Splash für 2012 angekündigt. Peinlich, peinlich. Doch als wäre das nicht genug, fingen die Menschen plötzlich an zu buhen und „Samy, Samy“-Sprechchöre waren zu hören. Da haben sich die Veranstalter wohl selbst ins Bein geschossen. Erst die Erwartung so aufbauschen und dann einen Künstler zeigen, der eigentlich bereits zum Splash-Inventar gehört, ist nicht das, was man erwartet hatte. Ich liebe Casper, aber auch ich hatte mindestens einen größeren Amiact erwartet. Noch trauriger fand ich allerdings die Buh-Rufe und Samy-Sprechchöre der Crowd. Samy Deluxe war ja wohl ebenfalls schon oft genug auf dem Splash und wäre in meinen Augen genauso wenig überraschend gewesen. Und Cas hat es einfach nicht verdient ausgebuht zu werden, auch wenn ihn viele nicht mögen. Das hat einfach etwas mit Respekt zu tun. Wenigstens entschädigte das tolle Feuerwerk für die misslungene ÃÅ“berraschung und so fand man doch noch ein halbwegs würdiges Ende, wenn auch mit einem faden Beigeschmack.

Trotz allem war es natürlich mal wieder ein Genuss und egal wie das Line Up aussieht, ich komme gerne nächstes Jahr wieder, denn es geht hier nicht um einzelne Künstler, sondern um HipHop, die Musik die uns alle verbindet und die wir lieben.

Und zum Abschluss haben wir noch die gesammelten Fotos vom Festival für euch. Bis nächstes Jahr auf dem splash!


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