Eko Fresh
»Mit Liebe zur Musik«
André vom 23.12.2009

Würde man Außenstehende des Rap-Geschehens nach Eko Fresh fragen, konterten viele wohl noch im gleichen Moment mit dem Namen Kool Savas und fügten vielleicht auch noch den Titel „Das Urteil“ hinzu. Auf so wenig scheint der „König von Deutschland“ mit den ins Land gezogenen Tagen reduziert worden zu sein. Doch dabei steckt viel mehr in ihm. Von den Bühnen der kleinen Ein-Raum-Shows in die deutschen Single Charts und das alles in so jungen Jahren. Es ist wohl an der Zeit, einem Rapper, der mehr bewegte als die meisten es wahrhaben wollen, Respekt zu zollen und sein Leben bis dato Revue passieren zu lassen.

Geboren am 3. September 1983 in Mönchengladbach unter dem Namen Ekrem Bora wuchs Eko Fresh in aus heutiger Sicht immer normaler werdenden Familienverhältnissen auf, mit einer alleinerziehenden Mutter. Schon früh erkannte Eko seine Liebe zur Kultur des Hip Hops, genauer noch zum Rap. So machte er sich zusammen mit seinem Kollegen und Freund Kingsize sowie dem DJ Serious Sam auf, erste Erfahrungen in Sachen Bühnenpräsenz auf Jams und kleinen Veranstaltungen zu sammeln. Rückblickend dürfte dies wohl maßgebend für den weiteren Verlauf seiner Karriere gewesen sein, denn „Wer das Kleine nicht ehrt, ist des Großen nicht wert“. Ebenfalls ausschlaggebend und wahrscheinlich der größte Schritt in Eko´s gesamten Karriere war das Zusammenfinden mit dem schon damals relativ bekannten King Kool Savas. Dieser erschien nach (bezahlter) Einladung zu einem von Eko mitveranstalteten Konzert. Mit dem Plan, Savas einige seiner Reime zu zeigen und ihn somit von seinem Talent für das Rappen überzeugen zu können, stürzte sich Eko in die Show. Nach einigen vorgetragenen Reimen war eigentlich schon alles vorbei – zumindest für Eko. Savas allerdings war so angetan von dem Vortrag, dass er sich gleich noch ein paar Zeilen vorrappen ließ. Schließlich hatte Eko Savas sein gesamtes auswendig gelerntes Repertoire vorgespielt, sogar – so beschrieb er die Situation selbst – „die schlechten Reime“. Und so entwickelte sich das einstige Vorbild des kleinen Ekrems zu seinem Mentor und Lehrer.




Langsam führte der heutige King Of Rap den immer noch sehr jungen Eko an die damals schon stark präsente Berliner Rap-Szene heran. Nebst Staiger, der zu dieser Zeit noch Chef des Labels Royal Bunker war, und weiteren mehr oder weniger wichtigen Persönlichkeiten lernte Eko auch schnell die Berliner Mentalität kennen. Lange konnte es also nicht dauern, bis auch der erste echte Disstrack des Gladbachers erschien. Damals von Savas getrieben, veröffentlichte Eko einen Song, in dem er gegen MC Rene wetterte. Wirklich ehrlich klang das jedoch alles schon damals nicht und so entschuldigte sich Eko später auch bei MC Rene, für den es nach dem Disstrack steil bergab ging. Schon jetzt ließen sich erste Differenzen zwischen Eko und Savas erkennen. Der eine, „heiß und hungrig“ auf das Game, trotzdem recht schüchtern und zurückhaltend, befolgte stets jede Anweisung des anderen, der ganz andere Pläne verfolgte und Rap schließlich auch mit anderen Augen sah.

Im Jahre 2001 folgte ein weiterer großer Schritt in Ekos Karriere. Mit der Veröffentlichung der „Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen“ EP war die erste wirkliche CD von ihm erhältlich. Rap-Deutschland hatte also endlich eine Möglichkeit, den jungen Gladbacher jederzeit zu hören, wenn es dies denn nur wollte. Und es wollte. 2002 durfte Eko dann sogar auf dem Splash!-Festival auftreten. Zwar waren wahrscheinlich die meisten Leute doch nur für Savas da, doch hatte er es geschafft. Er war von der kleinen Bühne bei der ersten Jam auf die größte, erreichbare Bühne Rap-Deutschlands gestiegen und performte, als habe er mehr als nur eine kleine Wette zu verlieren.

In der Zwischenzeit hatte Savas bereits das nun geschlossene Label Optik Records gegründet, bei dem er Eko auch gleich einen Vertrag anbot. Langsam bekam auch die restliche Musiklandschaft Wind vom Rap aus Berlin und so öffnete sich BMG Optik Records und nahm dieses unter seine Fittiche. Kurze Zeit später erschien die Maxi „König von Deutschland“, die aufgrund eines Low-Budget-Videos zunächst eigentlich keine großen Erfolge erwarten ließ. Allerdings kam alles anders und der Song wurde ein erster Solo-Hit. BMG und Optik Records feierten ihren Erfolg, während in den Hinterzimmern die Stützpfeiler zu bröckeln begannen. Immer wieder kam es nun zu Auseinandersetzungen zwischen Savas und Eko, welche sich wahrscheinlich aus den unterschiedlichen Zielsetzungen und Zukunftsvision der beiden ergaben. Savas hielt Eko zur Bodenständigkeit an, wohingegen dieser jedoch noch viel weiter wollte, als er mit seiner Maxi „König von Deutschland“ gekommen war.

Schlussendlich kam es zum Bruch mit Savas und Optik Records. Ausschlaggebender Punkt war wohl das Video zur Single „Ich bin jung und brauche das Geld“, gegen welches Savas sich strikt wehrte, Eko auf den Dreh wiederum bestand. Das Video sowie die Single wurde einige Zeit später ein großer Erfolg, der für Eko Fresh bis heute unerreicht blieb. Er war nun weiter, als er es sich jemals hätte träumen können, verloren hatte er dafür aber einen Mentor und zugleich einen sehr guten Freund.

Nach einer Zeit der Ruhe und Stille kehrte Eko seine Augen und Ohren zurück auf das Rap-Geschehen und brachte etwas ins Rollen, das sich später als Bumerang entpuppte. Mit dem Song „Die Abrechnung“ begann der „Beef-Krieg“ zwischen ihm und Savas in Deutschland. Zunächst ließ eine Antwort lange Zeit auf sich warten, doch konnte wohl auch Savas so etwas nicht einfach auf sich sitzen lassen, denn immerhin hatte auch dieser einen Ruf als von allen gefürchteter King Of Rap zu verlieren. Mit dem „Urteil“ brachte Savas schließlich nicht nur eine Antwort, sondern beendete zumindest den musikalisch ausgetragenen Teil des Kampfes klar für sich und ließ sozusagen nicht mehr viel von Eko übrig.



In der Zeit des gegenseitigen Dissens überschlugen sich die Ereignisse für Eko. Zum Höhepunkt kam es im Mai 2005, als er von einer Bierflasche am Kopf getroffen ein Konzert verlassen musste und mit einer Platzwunde in das städtische Krankenhaus eingeliefert wurde. Ein klarer Niederschlag und Tiefpunkt in Ekos Karriere. Dabei schien sich für ihn mit dem neuen, selbstgegründeten Label German Dream Evangelium im Jahre 2004 ein ganz neues Kapitel zu öffnen. Hatte man Eko vorher noch als stark und „unfickbar“ gesehen, gab sich nun beim zweiten Sehen des TV Total-Auftrittes ein ganz anderes Bild zu erkennen. Das Bild eines fast verängstigten und unsicheren Jungens, der beachtlich an Gewicht und positiver Stimmung verloren hatte. Der Kampf mit Savas hatte ihm also doch mehr zugesetzt, als er durchblicken lassen wollte.

Noch im Jahre 2005 bzw. 2006 veröffentlichte Eko einige Parts auf den CDs „Nemisis“ und „Vendetta“ zusammen mit Bushidos Label ersguterjunge, das damals gerade am Kommen war und den Anfang seiner Blütezeit erlebte. Gegen Ende des Jahres 2006 gab Eko dann bekannt, dass er einen Vertrag bei dem Berliner Label unterschrieben habe. Noch einmal hatte er es also geschafft. Eigentlich schon von vielen für tot befunden, zeigte er sich nun wieder gestärkt und mit einem neuen Team im Rücken. Wieder war Eko da, wo nur wenige in ihrer Karriere hinkommen. In der Zeit der Zusammenarbeit mit Bushido entstand unter anderem die erfolgreiche Single „Gheddo“, die auf Ekos Album „Hart(z) IV“ zu finden ist.

Doch lange dauerte auch diese Zusammenarbeit nicht. Gegen Ende des Jahres 2007 verkündete Eko Fresh seinen Rücktritt. Aber nicht nur vom Vertrag mit ersguterjunge, sondern von der gesamten Szene. In einem Statement auf MySpace.com sprach der einst so kleine und zurückhaltende Junge nun davon, wie enttäuscht er vom Game sei. Die Szene sei es nicht mehr wert, sich für sie den Arsch aufzureißen. Es war wahrscheinlich wohl nicht nur der fehlende Respekt der Szene, der Eko zu dieser Entscheidung brachte. In der Vergangenheit hatte er immer wieder mit Beef, Ghostwriting für Bushido und seinen eigenen Verkäufen zu kämpfen. All dies dürfte wohl schlussendlich zu dieser Entscheidung geführt haben.

Während der Name Eko Fresh langsam von den Seiten der Rap-Pages verschwand, kümmerte er sich verstärkt im Hintergrund um sein Label German Dream Evangelium und brachte Rapper wie Farid nach vorne. Lange jedoch – und dies war sicher abzusehen – konnte sich Eko nicht der Rap-Szene fernhalten. So kam es, dass er es 2009 noch einmal versuchte mit seiner EP „Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen“, die, zwar mit anderen Tracks, aber dem gleichen Namen, damals schon einmal bei Royal Bunker erschien. Einige meinen, er habe seinen alten Flow und Style mit der Zeit verloren, andere, dass er mit seiner EP noch einmal an alte Zeiten habe anknöpfen können.

Und so lässt sich eines Eko sicherlich nicht abstreiten: Er hat Deutschrap-Geschichte geschrieben. Nur wenige können einen solchen Lebenslauf vorweisen und von sich behaupten, mit so vielen Künstlern zusammengearbeitet, also auch so viele unterschiedliche Erfahrungen gesammelt zu haben. Somit wird es Eko allerdings nicht gerecht, ihn nur auf den Beef mit Savas zu reduzieren. Denn er ist – so sehr es mancher auch nicht wahrhaben will – mehr Hip Hop als viele unter uns und wie das neue Making Of zum Song „Easy“ zeigt, noch lange nicht am Ende seiner Geschichte angekommen.

Wir wollen unser schmuckes Featuring aber nicht beenden ohne auch noch ein Wort über den Nachwuchsrapper Trewy aus Aachen zu verlieren. Trewy befasst sich schon lange mit Hip Hop Musik und macht diese auch schon lange selbst, aber erst seit einem Jahr hat er kräftig an seiner Karriere geschraubt. Diese findet nun mit dem Feature von Eko ihren vorläufigen Höhepunkt. Im Laufe des Making Of's wird klar: Trewy hat einiges zu erzählen und kommt bereits am 28. Januar 2010 mit einer kleinen EP. Nun aber Schluss, wir kommen zum Wesentlichen. Hier das Making Of zum Video "Easy" von Eko Fresh featuring Trewy:


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