RapSpot.de*ain't nuthing ta f' wit
Splash Festival
»ain't nuthing ta f' wit«
Lina vom 26.07.2010

Die Dreizehn ist für viele Menschen eine Unglückszahl. Die Veranstalter des Splash! jedoch trotzten diesem Aberglaube und stürzten sich guter Dinge in die dreizehnte Ausgabe des größten Hip Hop Festivals Deutschlands. Zum zweiten Mal fand das Event nun in der Stadt aus Eisen Ferropolis bei Gräfenhainichen im schönen Sachsen-Anhalt statt. Die Kulisse, die im vergangenen Jahr so kurzfristig als Ersatz für die Halbinsel Pouch gewählt wurde und mit ihren stillgelegten Baggern 2009 für viele noch etwas ungewohnt erschien, fühlte sich nun fast schon heimisch an. Dazu trug auch die wesentlich bessere Organisation für die Festivalbesucher, vor allem durch häufigere Busshuttles, bei.



Vor allem inhaltlich unterschied sich das diesjährige Splash! deutlich von seinem Vorgänger – ging es 2009 noch primär um musikalische Vielfalt mit zahlreichen Einflüssen aus der Elektro-Schublade, überzeugte das 2010er Line Up größtenteils durch straighten Hip Hop und einige Soul Künstler. Ergänzt wurde dieser Image-Wandel durch die Errichtung eines Culture Area im Zentrum des Festivalgeländes mit einem Skaterpark (inklusive Meisterschaften), einem BBoy-Bereich sowie den altbekannten Graffitiwalls. Leider wurde im Bereich Graffiti dieses Mal auf die Austragung der Write4Gold Finals verzichtet. Alternativ gab es jedoch diverse Workshops mit bekannten Größen aus der Writing-Szene, so dass sicher jeder auf seine Kosten kam.

Dies traf selbstverständlich auch auf das Line Up der Veranstaltung zu. Die drei Headliner waren so gewählt, dass ganz unterschiedliche Zielgruppen angesprochen worden. Mit Nas und Damian Marley ging sowohl für Conscious Rap- als auch für Reggae Fans ein Traum in Erfüllung, zumal von beiden Künstlern auch eine ganze Strecke von Solosongs performt wurden. Der Wu-Tang Clan begeisterte am Samstag Hip Hopper verschiedenster Generationen und Styles, nicht oft sieht man tausende Menschen beisammen das W formen. Die eigentliche Headlinerin Missy Elliott dagegen spaltete die Zuhörerschaft. Musikalisch bot sie zwar keine Offenbarung und enttäuschte viele Besucher, mit ihrer Bühnenshow voller Glitzer und Special Effects und einer ganzen Horde talentierter Tänzer bot sie allerdings einiges für die Augen. Pluspunkte gab es außerdem dafür, dass sie sich tatsächlich in die Menschenmenge wagte um ihren Song „Work it“ zu performen.

Auch die deutschen Headliner standen ihren Kollegen aus ÃÅ“bersee in nichts nach. Blumentopf und Samy Deluxe performten vor einem mehr als partywilligen Publikum und bekamen für ihre Freestyles und den altbekannten Freeze-Effekt (Blumentopf) bzw. einem neuen A Capella (Samy) jede Menge Propz. Begeisterung ernteten auch Die Orsons, die als Voract die Fugees (in neuer Besetzung mit Falk, Staiger und Visa Vie) wieder belebten und anschließend als Beatles(-piraten) die Bühne stürmten. Selbst Kool Savas ließ sich diese Show nicht entgehen und feierte im Publikum die Orsons mit ein paar Freunden. Auch Deutschrap-Kollege Casper konnte das Publikum wiederholt von sich überzeugen.

Besonders gefreut habe ich mich auf den relativ hohen Anteil an Female MCs, besonders am Sonntag. Neben der bereits erwähnten Queen of Rap Missy Elliott gab es auf der Main Stage noch Rah Digga zu erleben, die einen kleinen Vorgeschmack auf ihr kommendes Album gab. Daneben standen Ladi6 und Eternia, die besonders die Nähe zu ihren Fans suchte, auf der Aruba Stage.



In jedem Falle war das Splash Festival in diesem Jahr voller ÃÅ“berraschungen: So bekamen Fashawn und Bilal bei ihren Auftritten beispielsweise Unterstützung durch Exile und Eternia legte bei ihrer Autogrammstunde spontan eine Rapeinlage auf der Biergarnitur ein. Musikalisch dürfte also jeder Besucher sein individuelles Highlight erlebt haben – sei das nun die vielseitige Rap-Performance von Masta Ace und Edo G., die Deutschrap-Sause mit Harris, die etwas verfreakte Bühnenshow von Tech N9ne oder die heiße Reggae-Stunde mit Gentleman.

Das absolute Splash-Highlight war jedoch das Wetter, denn bis auf Freitag Abend und Nacht blieben die Regengüsse aus – da ließ man sich vom stürmischen Wind am Samstag auch nicht unterkriegen. Die Besucher nahmen die Regengüsse am Freitag übrigens größtenteils mit Humor, schließlich kauft man zu dem Festival Ticket den Regen quasi mit dazu, oder?

Insgesamt war das Splash! 2010 also wieder ein sehr gelungenes, friedliches Event, so dass man als Besucher gerne mal über kleinere Pannen, zum Beispiel bei den Screens auf der Mainstage, hinwegsah. Obwohl uns noch keine offiziellen Zahlen vorliegen, wirkte die Anzahl der Besucher jedoch kleiner als beim letzten Mal – als Grund dafür könnte möglicherweise die steigende Bedeutung des Frauenfeld Open Airs genannt werden, das das Line Up des Splash! - wie man ehrlich zugeben muss – überbieten konnte.

Eine negative Veränderung zum Vorjahr habe ich bei den Merchandise Ständen bemerkt – davon gab es in diesem Jahr wesentlich weniger, was vor allem für die Vinyl Junkies und Schnäppchenjäger unter den Besuchern schade war. Andererseits geht es bei einem Hip Hop Festival nun mal nicht unbedingt ums Shoppen, so dass dieser Trend wohl zu verschmerzen war.

Wieder einmal hat das Splash! Festival allen Wetterberichten, schwindenden Besucherzahlen und technischen Pannen getrotzt und ein unvergessliches Event auf die Beine gestellt. Denn auch wenn der Titel „Größtes Hip Hop Festival Europas“ nun wohl in die Schweiz gehen dürfte, ist das Splash nicht klein zu kriegen und wird uns hoffentlich noch mindestens weitere 13 Jahre erhalten bleiben. Deshalb: Danke, Splash, für dieses schöne Wochenende! Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Hier ein paar Impressionen vom Festival:


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