Lina vom 29.06.2012 07:21
Aesop Rock
»Me against me«

Das Def Jux Camp war über unzählige Jahre für seine Experimentierfreudigkeit und Unkonventionalität bekannt. Als das Label vor drei Jahren ohne Vorwarnung und größere mediale Aufmerksamkeit zerbrach, ging der Rapszene eine künstlerische Instanz verloren. Aesop Rock scheint nicht das Ziel zu haben, diese Instanz wieder aufleben zu lassen, im Gegenteil: Mit seiner neuen Labelheimat Rhymesayers Entertainment konzentriert er sich auf das, was wirklich wichtig ist: Sich selbst. Wir sprachen mit dem MC und Producer über sein neues Album „Skelethon“.

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Hi Aesop Rock, wie geht’s dir?

Mir geht es gut, danke. Ich bin in Houston, Texas, und wir arbeiten an unserer Tour, die ja bald ansteht.

Dein sechstes Album kommt in ungefähr zwei Wochen. Sechs Alben, das ist eine ganze Menge! Bist du immer noch aufgeregt, wenn du etwas releast, oder ist das mittlerweile Gewohnheitssache?

Ich bin vor sowas eigentlich ständig nervös. (lacht) Ein Soloalbum rauszubringen ist für mich echt eine große Sache. Manche Leute können sowas ja mehrmals im Jahr raushauen, aber bei mir dauert das eben immer eine Weile und da steckt eben auch viel drin – allein der ganze Aufnahmeprozess, mich selbst zu promoten… Ich bin da einfach lieber allein in meinem Zimmer und mache mein Ding (lacht). Dann kommt jetzt die ganze Tourgeschichte, vor anderen Leuten auftreten und performen – das entspricht eben nicht unbedingt meiner Natur. So wirklich warm werde ich mit diesen ganzen Dingen also nicht, ein bisschen unwohl fühle ich mich immer bei sowas. Manche Leute können das echt gut steuern und dafür sorgen, dass sie sich bei sowas wohl fühlen und die ganzen Emotionen, die bei sowas aufsteigen, unterdrücken. Aber ich glaube, ich werde das nie lernen.

Es sind ja einige Sachen anders auf deinem neuen Album, verglichen zu den Vorgängern, vor allem natürlich das Label: Du arbeitest jetzt mit Rhymesayers zusammen, statt mit deiner alten Labelheimat Def Jux. Warum gerade Rhymesayers?

Naja, mit Def Jux ging es zu Ende. Ich hatte also nicht wirklich eine andere Wahl, als mir ein neues Label zu suchen. Als ich das Album aufgenommen habe, hatte ich gar kein Label im Rücken. Anstatt mir direkt einen neuen Ort zu suchen, um sofort Musik zu veröffentlichen, habe ich mich dazu entschlossen, mich erst mal zurückzuziehen und Musik zu machen. Wenn ich mit der Musik fertig wäre, würde ich dann schauen, ob es jemandem gefällt und dieser jemand es veröffentlichen möchte – das war zumindest die Idee. Ich wollte die Songs also einfach nur machen, ohne dabei unter dem Regenschirm von irgendeinem Label zu stehen. Das sollte einfach so ein“Me against me“-Ding werden, weißt du? Die Rhymesayers-Jungs kenne ich jetzt schon über Jahre, und sie haben immer gesagt „Wenn du mal Hilfe brauchst, meld‘ dich“, und das ganz ohne mich irgendwie beeinflussen zu wollen. Als ich dann das Album fertig hatte und nach einer Labelheimat dafür gesucht habe, waren sie die ersten Menschen, die es sich anhören wollten. Für mich war das die einfachste und realistischste Option. Ich mein, ich kenn sie quasi mein ganzes Leben lang, es ist also echt cool, dass sie mich da so unterstützen.

Ich hatte das Glück die Rhymesayer-Künstler im Herbst letzten Jahres kennen zu lernen, als sie für ein Konzert nach Berlin kamen. Mir kam der Umgang der Jungs untereinander unglaublich familiär vor. Fühlst du dich schon als Teil dieser Familie?

(ÃÅ“berlegt eine Weile) Hm, das ist schwer zu sagen. Ich kenne die Jungs schon eine ganze Weile und würde schon sagen, dass sie enge Freunde von mir sind. Aber sie haben diese „Familie“ jetzt schon über ein Jahrzehnt – und das war natürlich zuerst ganz ohne mich. I’m sort of late to the party, in that sense. (lacht) Aber sie haben mich wirklich sehr willkommen geheißen, und jeder, dem ich begegnet bin, war ausgesprochen nett zu mir. Und sie haben mich ja überhaupt erst aufs Label geholt, was einfach toll ist. Aber, ich weiß nicht, wahrscheinlich dauert es einfach seine Zeit, bis man wirklich Teil der Familie ist. Ich hoffe sehr, dass das mit der Zeit kommt. Aber, wie ich schon sagte, sie haben sich ihr eigenes Ding nun mal über ein Jahrzehnt ohne mich aufgebaut, so dass ich nun mal „der Neue“ bin. Ich wurde mit offenen Armen empfangen, aber ich merke natürlich, dass ich diese lange Zeit, bevor ich dazu gestoßen bin, nicht miterlebt habe. Es ist schon alles cool so, aber es braucht sicher noch einige Zeit und Arbeit, bis sich unsere Beziehung untereinander festigt. Du fühlst einfach diesen Family-Vibe, und da kann man sich nicht einfach hinstellen und sagen „Hey, ich bin spät dran – hier bin ich!“. (lacht) Aber ich mag die Jungs echt sehr und denke und hoffe, dass sich alles in die richtige Richtung entwickelt.

Du könntest dir also vorstellen, noch mehr Platten über Rhymesayers zu veröffentlichen?

Ja, auf jeden Fall! Ich hoffe sogar, dass das passieren wird!




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