Manuel vom 16.07.2012 11:43
Fard
»Zwischen Unbesieg-barkeit und Schwäche«

Beim diesjährigen Bergstraße Courage Open Air Festival hat Fard gemeinsam mit zwölf anderen Künstlern aus der Region gemeinsam gegen Gewalt und für Zivilcourage gerockt. Unsere Kollegin Katrin von JoeFrog hatte die Möglichkeit, mit dem MC zu sprechen und ihm in unserem Namen ein paar Antworten zu entlocken. Sie sprach mit ihm über die Rolle seiner Lyrics, das Benefizevent selbst und natürlich das Thema Zivilcourage.

Zur Diskussion im Forum

Du bist in der Vergangenheit bereits auf einem Benefiz Konzert für einen jungen Mann aus Gladbeck aufgetreten. Was hat dich dazu bewegt, dieses Jahr zum Bergstraße zeigt Courage Festival zu kommen?

Butter bei die Fische, ich verdiene genug Geld um davon leben zu können. Doch Geld erfüllt mir materielle Träume, materielle Sehnsüchte – Geld alleine macht niemals glücklich. Wenn ich sehe, das die Jugendlichen zu meinen Konzerten kommen, Spaß haben und die Zeit genießen, dann ist das für meine Seele, mein Wohlbefinden weitaus bedeutsamer als Geld. Wenn ich nur durch einen Auftritt 4000 Euro für einen Jungen sammeln kann, der im Koma liegt und das Geld seiner Familie zugute kommt– dann ist das ein „Zurückgeben“. Ich gebe meinen Zuhörern das zurück, was sie mir geben: Aufmerksamkeit. Ich finde jeder Künstler der etwas bewegen kann, sollte sich dieser Verantwortung bewusst werden. Die Aufmerksamkeit auf ein gewisses Ziel zu lenken, wie z.B. heute Mut und Zivilcourage. Natürlich ist in meiner Musik nicht immer alles politisch korrekt, aber darum geht es am Ende des Tages nicht. Es geht darum, was ich den Menschen durch meine Aufmerksamkeit mit auf den Weg geben konnte.

Die Inhalte von Rap werden ja des Öfteren kontrovers diskutiert. Was steckt für dich dahinter? Entertainment, Realität?

Eine gesunde Mischung aus beidem und dazu kommt noch: Es ist die Sprache, welche die Jugendlichen sprechen. Wenn sich manche Menschen Scheuklappen aufsetzen und sich darüber aufregen, dass ich „Arschloch“ oder andere Fäkalwörter in meinen Texten verwendet habe und mich aus diesem Grund abstempeln – dann ist das eben so. Vorurteile stören mich nicht weiter, da ich der Meinung bin, das Menschen, die Rapper verurteilen, ohne sich näher mit ihrer Musik beschäftigt zu haben, extrem intolerant sind.

Auf deinem Album „Invictus“ hast du viele unterschiedliche Facetten von dir gezeigt – kritisch, erwachsen, politisch und auch etwas härter und draufgängerisch. Wie kam diese Mischung zustande?

Mit dem Album habe ich versucht, meine Lebensgefühle in verschiedenen Momenten darzustellen und festzuhalten. Es gibt Augenblicke in denen ich Schwächen zeige, aber im nächsten Moment bin ich dann wieder unbesiegbar in meiner Musik. Ich persönlich glaube, dass das Album sowohl bei meinen Fans als auch bei den Leuten, die mich nicht kannten, sehr gut angekommen ist. Vor zwei Wochen haben wir auf einem Stadtfestival in Pforzheim gespielt. Die Resonanz war unglaublich! Die Jugendlichen haben während meines Auftritts alle friedlich gefeiert und danach sind sogar Eltern zu mir gekommen, von denen ich Anerkennung und positives Feedback bekommen habe. Wenn Rap das bewirkt, sind wir auf einem guten Weg mit der Musik.

Zivilcourage bedeutet für dich?

Zivilcourage fängt bei jedem Einzelnen an. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue und mir denke „du geiler Typ“, dann gehe ich danach auch raus und behandele jeden anderen Menschen genauso. Wenn es Situationen gibt, in denen es in meiner Macht steht, Zivilcourage zu zeigen und anderen zu helfen, dann ist es meine Pflicht das auch zu tun. Sowohl der Islam als auch das Christentum predigen die Nächstenliebe an oberster Stelle, und somit sollte auch die Zivilcourage bei jedem Menschen an erster Stelle stehen.

Noch eine Frage zum Schluss: Dein kommendes Album – ein kurzes Statement dazu!

Schön und intelligent! (lacht)

DANKE für das Interview.



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