Andre vom 17.02.2009 19:44
Dr. Knarf
»Die Gemeinschaft flashte mich«

Ob nun Kniwo oder Dr. Knarf genannt. Er gehört zu den wohl noch sehr unbekannten, jungen Talenten der deutschen Szene. Natürlich hat er es auch nicht leicht, in einer Szene, nein, in einem Land, dass belastet ist durch Schubladen-Denken. So landet auch er immer wieder zu Unrecht in der so verhassten Gangster-Schublade und versucht sich immer und immer wieder zu verteidigen. Wir sprachen mit Dr. Knarf über seine Crew HKC, sein Studium, seine Faszination an Drogen und natürlich auch über die Gangster-Thematik und fanden dabei so einige interessante Information heraus.

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Alles klar bei dir?

Mir gehts gut, ich komme gerade aus dem Studio. Ich bin jetzt gerade in der Endphase von meiner EP 'Wie ich flieg', die am 08. Mai erscheint, also gerade damit beschäftigt.

Dr. Knarf: Wie kommt man auf einen solchen Namen?


Ja, das hat 'ne längere Geschichte. Letztendlich habe ich den Namen verpasst bekommen, aber er ist quasi die Phonetisierung dessen, was meinen Style verkörpert. Nein, ich heiße nicht Frank. (lacht) Leute, die mich enger kennen, sagen eigentlich alle Kniwo.

Warum "Dr."?

Das ist, weil ich so schlau bin und meine eigene Wissenschaft kreiert habe. (lacht)

Okay. Lass uns aber mal zu deinen Wurzeln gehen. Du kommst aus Hamburg...

Ja.

...wohnst seit 15 Jahren in Köln...


Ja.

...wo hast du die anderen neun Jahre verbracht?

Ich bin über Umwege nach Köln gekommen. Die ersten neun Jahre habe ich in der Nähe von Hamburg gewohnt. Dann kurz in Bremen. Danach in Osnabrück. Letztendlich bin ich aus familiären Gründen nach Köln gezogen. Meine Eltern haben sich zu der Zeit getrennt und wir mussten uns eine gewissen Zeit vor meinem Vater regelrecht verstecken. Meine Mutter hat dann nach 12 Jahren Berufspause hier wieder den Einstieg als Lehrerin gefunden.

Hat dich dann deine Mutter auch in Köln gehalten oder was war so der ausschlaggebende Grund, dort zu bleiben?


Also mir gefällt Köln eigentlich ganz gut, nach wie vor. Aber ich könnte mir auch vorstellen umzuziehen. Ich fühle mich mit keiner Gegend richtig verwurzelt.

Wohin verschlägt es dich denn, wenn ich das richtig verstanden haben?

Ich könnte mir genau so vorstellen in Hamburg oder Berlin zu leben, wobei sich Hamburg anbieten würde, da dort die Hälfte meiner Leute heimisch sind. Aber am liebsten würde ich ganz aus Deutschland raus, nur im Augenblick habe ich noch zu viele Pläne hier.

Sprechen wir doch etwas über deine Vergangenheit. Ich habe von deinem Schulabbruch gehört. Wie kam es dazu?


Ich war siebzehn und hatte einfach den Kopf voll mit irgendwelchen anderen Sachen. Die Phase durchlebt bestimmt jeder einmal, wenn er Abitur machen will. Ich habe in der 12. Klasse abgebrochen, in einer sehr destruktiven Phase. Kurz darauf wurde ich inhaftiert, im Knast habe ich mir ziemlich viele Gedanken gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich einige Sachen in meinem Leben von Grund auf ändern muss.

Was war dann der Ansporn noch einmal in die Schule zu gehen?


Also einmal war es eine Bewährungsauflage. Außerdem war der Umstand, dass ich einen Schulplatz hatte, der ausschlaggebende Grund, mich nach 6 Monaten vorzeitig aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Auf der anderen Seite hatte ich auch Lust, mir zu beweisen, dass ich es auch schaffen kann.

Jetzt studierst du ja. Welches Gebiet?

Ich studiere gerade BWL. Ich hab' auch an einer Wirtschaftsschule Abitur gemacht, Leistungskurs BWL und so weiter.

Wie kamst du auf BWL?

BWL ist etwas Grundlegendes, das uns jeden Tag umgibt, darüber macht man sich oft gar keine Gedanken.

Bist du dann auch jemand, der das Tagesgeschehen aktiv verfolgt?

Wirtschaftliches Tagesgeschehen?

Ja, aber auch allgemein.


Ja, auf jeden Fall. Also Nachrichten auch.

In deinem Umkreis üblich?


Das ist verschieden.

Also eher Außenseiter?


Ne, gemischt auf jeden Fall. Ich hab' ja auch Freunde, die studieren. Ist ja jetzt nicht so, dass jetzt nur...Mich stecken halt viele in so eine Gangsterrolle. Aber ich mach' eigentlich keinen Gangsterrap. Das ist nur so ein Gerücht. (lacht)

(lacht) Ich hab' das schon herausgehört, dass du kein Gangster bist.


Gut.