Sebastian vom 19.11.2009 16:54
Samy Deluxe
»Mein Weg ging schnell aufwärts«

Samy Deluxe, einer der besten und beliebtesten Rapper Deutschlands stand uns kurz vor der Verlängerung seiner "Dis Wo ich Hinkomm"-Tour für einige Fragen zur Verfügung. Wir sprachen mit ihm über aktuelle Projekte und seine persönliche Vergangenheit, seine Stellung im Deutschen Rap-Geschehen und über Zukunftspläne. Dabei raus kamen interessante Antworten und ein paar exklusive Details.

Zur Diskussion im Forum

Hallo Samy Deluxe. Wir sind sehr froh, dass du zwischen deiner Tour Zeit findest, uns für ein paar Fragen Rede und Antwort zu stehen. Wie geht es dir im Tour-Stress? Wie laufen deine Auftritte bisher?

Die Tour beginnt nächste Woche, vorher Proben – ich bin noch entspannt. Tour ist für mich eigentlich kein Stress. Es bringt total Spaß, mit seinem kreativen Umfeld unterwegs zu sein.

Auch auf dem Splash! Festival warst du dieses Jahr wieder vertreten und dein Auftritt mit Live-Band zählte zu den absoluten Highlights des Wochenendes. Was bewegt dich dazu, immer wieder auf solchen Festivals zu spielen?

Na ja – ist ja mein Beruf. Und wo sonst kommen so viele unterschiedliche Leute zusammen und hören sich auch mal was Anderes an Musik an? Festivals sind cool. Mit den Jungs vom Splash hatte ich gerade ein längeres Meeting, weil ich finde man sollte mal wieder so was wie ne Jam machen. Mal sehen was die umsetzen.

Dein 100-Zeiler richtete sich ganz scharf gegen all deine Hater: “Ich könnt´ auch nur noch singen, und wär´ immer noch besser als ihr…“ Musstest du endlich mal wieder beweisen, wer der Beste ist, oder kamen die Zeilen mehr aus dem Bauch heraus?

Ich hab dieses Ding mit dem Beweisen müssen nicht mehr so drauf. Also Bauch.

Trotzdem blendest du den ganzen Beef bewusst aus, weil du dich auf “wichtigere Dinge“ als das Dissen konzentrierst. Leute wie Kaas gehen ganz ähnlich an die Sache ran, ist das die richtige Methode, um Rap-Deutschland aus dem Beef-Dschungel zu befreien?

Ich weiß nicht wie das für Andere ist. Mir war das irgendwann einfach mal nicht mehr genug. Wenn du langsam erwachsen wirst, entwickeln sich neue Ziele, neue Interessen. Ich hab aber kein Interesse als Befreier aus dem aufzutreten was ihr Beef-Dschungel nennt.

Dein aktuelles Album “Dis Wo ich Herkomm“ steht nun schon seit einiger Zeit in den Läden. Du musstest sowohl positive als auch sehr viele negative Kritiken dafür einstecken. Was hat dich dazu bewegt, musikalisch auf dem Album eine ganz andere Richtung einzuschlagen? Wie kam deiner Meinung nach das Album in Deutschland an?

Meine Plattenfirma ist zufrieden, ich bin zufrieden. Die positiven Kritiken haben überwogen. Das hat mir gezeigt, dass meine Entscheidung, musikalisch auch mal andere Wege zu gehen, richtig war. Menschen bleiben ja – das hoffe ich jedenfalls für jeden – nicht in ihrer Entwicklung stehen. Und Musiker auch nicht. Es gibt jede Menge Einflüsse, Eindrücke, die man verarbeitet und in die Texte und Musik umsetzt.

Ich würde behaupten, du hast mit der Platte sehr viele neue Fans dazu gewonnen, aber auch einige Oldschool-Heads verloren. Würdest du dem zustimmen? Oder wie siehst du die Sache?

Ich nehme an, das stimmt ungefähr. Für die Oldschool-Heads gibt’s jetzt noch ein Mixtape – Der Letzte Tanz! Da sind aber auch Songs für die neuen Fans drauf.


Seit deinem Album ist wieder sehr viel passiert, deine Deutschland-Doku lief auf ZDF, du bist politisch aktiver denn je und dazu spielst du nun schon die dritte Verlängerung deiner Tour. Wie fühlst du dich zwischen all dem Trubel. Welches Resümee würdest du seit deinem “Solo-Comeback“ ziehen?


Na ja – Comeback ist wohl nicht das richtige Wort. Das Dynamite Deluxe Album war ja ein Revival – das hat viel Spaß gemacht. Dann war es Zeit, mal wieder die Ideen umzusetzen, die ich besser allein umsetzen kann. Das war dann das Deutschland-Thema: Als DIS WO ICH HERKOMM in Form von Album, Buch und ZDF-Doku.