Wale
»Attention Deficit«


Unsere Wertung:


 Henning am 07.11.2009 17:19
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Wale scheint gesehen werden zu wollen, ob er nun sein Album Attention Deficit nennt oder ob er sich durch die gesamte Musikindustrie featured, immer darauf bedacht zwischen Mainstream (Daniel Merriweather - Change) und Underground (The Roots - Rising Up, Skyzoo - Freshfest) zu pendeln. Und so liest sich auch ersteinmal die Tracklist.: Produziert wurde das Debut unter anderem von Entdecker Mark Ronson, Cool & Dre, DJ Green Lantern und Best Kept Secret, gefeatured wird das Album von Bun B und Marsha Ambrosius, aber auch von Gucci Mane oder Lady Gaga.

Eröffnet wird der Langspieler vom unspektakulären Triumph, auf dem Wale sein Potential schonmal andeutet. Wesentlich mehr ins Ohr geht der nächste Anspielpunkt Mama Told Me, mit einem tollen Bläserbeat produziert von Best Kept Secret, und auch Wale weiß auf diesem Track zu überzeugen. Den ersten Höhepunkt des Geschehens markiert bereits Track 3 Mirrors (ft. Bun B) mit einem genialen Beat von Mark Ronson und genial zurückgelehnten Parts von Wale und Bun B. So kann es weitergehen. Und auch das folgende Pretty Girls überzeugt durch tolle Vocalsamples und souverän gespittete Parts von Wale - einzig und allein Gucci Mane stört mit seinem holperigen Antiflow, aber der geneigte Raphörer sieht über solche Ausrutscher hinweg. Wesentlich kommerzieller ausgerichtet als die ersten Tracks des Albums kommt nun World Tour daher, dank Wale wirkt der Song dabei weder geschmacklos noch peinlich sondern reiht sich mit seiner Power und seinen Gitarrenriffs in die Liste der überzeugenden Tracks ein, obwohl man auf Jazmine Sullivan auch hätte verzichten können. Der nächste von den Neptunes produzierte Anspielpunkt Let it Loose (ft. Pharrell) wirkt im Albumkontext überflüssig und langweilig, man kann ihn getrost skippen - und kommt damit direkt zum nächsten Höhepunkt der Platte - 902010. Dieser von Mark Ronson produzierte Song lehnt sich ganz offensichtlich an den Stil von KiD CuDi an, er wirkt verträumt, die Vocals sind irgendwo zwischen Rap & Gesang - was Wale ganz außerordentlich gut gelingt (man möchte fast sagen, besser als dem Original). Auch inhaltlich ist der Song, der das Schicksal eines Mädchens, das berühmt werden möchte, thematisiert, überzeugend. Er berührt, ohne dabei kitschig zu wirken, etwas, das im heutigen Mainstreamrap extrem selten ist. Beim nächsten Track Shades sitzt erneut Best Kep Secret an den Reglern, ein solider Track, der in der Masse ähnlicher Tracks aber untergeht - trotz guten Parts von Wale und einer tollen Hook von Chrisette Michelle. Es folgt der bereits vorab erschienene Chillin (feat. Lady Gaga), bei dem Lady Gaga ganz offensichtlich von M.I.A klaut und selbst Wale zeigt hier nicht seine gewohnte Souveränität - doch dank des krassen Beats von Cool & Dre, der sich immer irgendwo zwischen Zurückgelehntheit und totaler Ekstase zu befinden scheint, ist auch dieser Track ein Anspielen wert. Genauso verhält es sich mit dem folgenden Track TV In THe Radio ft. K'naan, auf dem beide MCs mehr als solide Arbeit leisten - immer begleitet von einem an die späte Oldschool erinnernden Beat. Weiter geht's mit einem mystischen Beat von Syience, der Question Existing von Rihanna sampled: Contemplate - Wale überzeugt zwar, der Track ist jedoch leider nichts besonderes - schade! Der dritte und letzte Höhepunkt des Albums befindet sich an 12ter Stelle - Diary ft. Marsha Ambrosius. Ein grandioses Sample von Yann Tiersen und eine großartige Marsha Ambrosius machen diesen Track zu etwas ganz Besonderem - mehr verrate ich jetzt mal nicht. Unbedingt anhören! Der 13te Anspielpunkt Beautiful Bliss ft. J.Cole & Melanie Fiona ist eine Gemeinschaftsproduktion von Mark Ronson und DJ Green Lantern und ebenso überproduziert wie langweilig - wir skippen...und gelangen zum letzten Punkt der Platte - dem chilligen Prescription, einer jazzigen Produktion von Best Kep Secret, die die Platte wunderbar ausklingen lässt und mit einem Monolog von Wale jedem übertriebenen Realkeeper einen Tritt in die Nüsse verpasst:

I am Hip-Hop..past, present and future!

Ein durchweg gelungenes Debütalbum, das in einer für mich bis dato einzigartigen Weise den Spagat zwischen Mainstream und Underground schafft - geschmackvoll und voller Energie. Natürlich waren da ein paar Features, die man hätte vermeiden können, aber Wale hat mit diesem Album auf jeden Fall bewiesen, dass man ihn im Auge behalten muss. Denn wahre Skills kann nichts entstellen. In diesem Sinne..


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