Donato
»Angst«


Unsere Wertung:


 Sebastian am 17.12.2009 11:10
 Sage anderen deine Meinung...

Mittlerweile gute zwei Wochen haben die Fans des Dortmunder Rappers Donato es nun mit der „Angst“ zu tun. Jedoch nicht etwa, weil sein zweites Solo-Album gefloppt ist oder verschoben wurde, sondern schlicht und einfach wegen des Titels. Das menschlichste aller Gefühle, die Angst ist also das Hauptthema, welchem sich der 26-jährige auf dem Nachfolger zu „Damals Wie Heute“ (2005) widmet.

Dass Donato viel Wert auf Qualität und guten Rap, sowie anspruchsvolle Lyrics legt, wissen wir nicht erst seit er uns im Interview zur Verfügung stand, sondern bereits von seinem restlos ausverkauften Erstlingswerk.
Gewohnt bodenständig geht er jedoch in sein zweites Album, welches im Übrigen über das oftmals gelobte Münchener Label Kopfhörer Recordings erschien. Doch bereits im Intro „Neue Welt“ zeigt er mit lyrischer Raffinesse auf einem emotionalen Beat, wohin die Reise geht. Eindringlich sind auch die Cuts und Scratches am Ende des Songs, die den Appetit des Rap-liebenden Zuhörers anregen. Auf diesem Silberling schildert Donato bis ins Detail die nicht immer einfach zu verstehende und rhetorisch schwer greifbare Welt der Emotionen.

So entstand beispielsweise “Könnt ihr mich hören“, das sich in einer Art Flashback an seine einstigen Vorbilder richtet, denen er nacheifern wollte, heute jedoch will er sich um keinen Preis verändern: “Früher hatte ich Vorbilder … doch ich hab vergessen, wer ich bin // Früher wollt ich sein wie ihr, wollte mich nur verstellen, um zu sein wie ihr […] Ich will nicht sein wie ihr, werde mich nicht verstellen, um zu sein wie ihr.“ Dass – wie bereits in der Pressemitteilung zum Album beschrieben – der Verlauf des Albums nicht immer vorhersehbar sei, zeigt z.B. “Lichtblick“, das sich im Wesentlichen mit der hiesigen Gestalt des “Hip Hop Phantoms“ in Deutschland auseinander zu setzen vermag: “Ihr denkt Rap ist jetzt tot / ein löchriges Boot, nur ein ätzender Ton / viele Rapper sind Klone, geformt aus Schablonen / und dass Rap nichts bringt, weiß der letzte Idiot oder nicht?“
Donatos – nennen wir ihn einfach mal – Pott-Charme in der Stimme harmoniert wunderbar mit den größtenteils düsteren Beats, für die unter Anderem Brisk Fingaz und die Beatgees verantwortlich waren. Produktionstechnisches Highlight ist definitiv das Handyvibrieren im Beat zu “Auf der Flucht“, der aber auch textlich sehr überzeugt und die Emotionen des Protagonisten der traurigen Geschichte eindringlich suggeriert. (Meine erste Assoziation hierzu war Eminems „Stan“) Sowieso ist die gesamte musikalische Inszenierung sehr gelungen und so wirkt der Beat zu “Über der Stadt“ ebenso passend schwerelos, wie Donato, der bildhaft lässig rappend über Dortmund schwebt.
Über den Titeltrack „Angst“ will ich gar nicht viele Worte verlieren, denn ich denke, ein solches Prachtexemplar sollte sich jeder zu Gemüte führen und auf sich wirken lassen.

Im krassen Gegenteil zu den tabuisierten Angst-Parolen steht der Track mit gleich 3 Feature-Gästen. Die personifizierten vier Elemente flowen namentlich als Donato, Morlockk Dilemma und Absztrakkt um die Wette und lassen dabei Inferno79 leider etwas schwächer dastehen. Trotzdem ein gelungenes Konzept für einen abwechslungsreichen Track. Schnell wird aber wieder die überwiegende Schiene gefahren und „Freundschaft“ erinnert mich etwas an meinen bis dato absoluten Lieblingstrack von Donato: „Die Welt steht still“, nur dass es diesmal eine Art gescheiterte Version dieses Tracks zu sein scheint: „Ich brauch Leidensgenossen auf meinem Weg in den Himmel…Was ist Freundschaft wert, wir wollten Seelen vereinen, reden und schweigen, und Erlebnisse teilen, aber es läuft was verkehrt, weil die Nähe uns teilt und ehe wir uns versehen, ist es vorbei“

Zum Schluss möchte ich noch kurz den Charity-Remix der Titelsingle „Angst“ gutheißen, auf dem z.B. Label-Kollegen wie Fiva MC und Mnemonic gewohnt eine gute Figur machen.

„Ich hab Angst dir was zu beweisen, weil ich Angst habe zu scheitern ich habe Angst, dich zu begeistern, Ich habe Angst dich zu begeistern, weil das die Ansprüche steigert Aber das schlimmste, Ich habe Angst, die Angst zu überwinden SOS bitte nehmt mir die Angst und bringt sie weit weg“

Alles in Allem ein durchweg solides Album mit überzeugender musikalischer Untermalung, nur an manchen Stellen möchte der Ein oder Andere Hörer einen Track skippen.

Abschließend möchte ich mich bei Kopfhörer Recordings bedanken und deren außerordentliches Engagement loben, dass ich z.B. zu dem digitalen Review-Exemplar sowohl ein Booklet, als auch sämtliche anderen nützlichen Infos zur Verfügung gestellt bekommen habe. Grüße an Sebastian und das ganze Kopfhörer Team!


 Jeden Tag frisch
Aktuellste News
#01573 Pimp C. erwacht vo...
#01572 Doppel-U. Holt Weltr...
#01571 F.R.. Auftritt i...
#01570 Tua . Elektroalb...
 Noch nicht genug?
Mehr Reviews
#0204 Tefla & Jaleel - Weißt du ...
#0203 B-Doub - Food For T...
#0202 Hammer & Zirkel - Wir sind F...
#0200 Kollegah - Hoodtape V...
 In Talk
Neuste Interviews
#0150 Nosliw
#0149 Samson Jones
#0148 Marteria
#0147 Herr von Grau