Antihelden
»Kein Happy End«


Unsere Wertung:


 Sören am 04.07.2010 22:38
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Antihelden, so nennt sich das Duo rund um den Ex-Buckwheats Rapper Abroo und den, für viele von "Feuer über Deutschland 3" bekannten Rapper, Dra-Q. Nach ihrem "Kampf der Veteranen" Mixtape, dass letztes Jahr erschien, kommt das jetzige Album "Kein Happy End", wieder bei dem Dresdener Label NEW DEF raus. Und das die beiden, schon das ein oder andere Hip-Hop Jährchen auf dem Buckel haben, dürfte den meisten auch wohl bekannt sein.

Und gleich von vornherein lässt sich eines sagen: Was die beiden hier bieten, ist Rap. Das ist Hip-Hop. Hier werden keine Floskeln geboten, hier werden keine übertriebenen Geschichten erzählt. Deutsche Rapper sprechen in Anbetracht von dem was die beiden hier zeigen, oft von "Realness", ich würde hier schlicht und einfach von guter, ehrlicher Musik reden. Das "Intro" kommt reichlich unspektakulär, jedoch nur um mit dem ersten Song "Armageddon" jede einzelne Hausfassade und jede Box einzureisen und um die hauptsächliche Thematik des Albums zusammenzufassen und auf den Punkt zu bringen. Gesellschaftskritik, Menschenhass und Kritik an den öffentlichen Medien. Wunderbar in einem Song vereint und auch in den folgenden Songs des Albums ("Weltanschauung", "Generation Doomed", "Glühbirnengesellschaft") wird immer wieder diese Thematik aufgegriffen und aus verschiedenen Sichten beleuchtet.
Besonders "Generation Doomed" überzeugt durch einen glänzend aufgelegten Sabac Red, bekannt aus der Formation Non Phixion.

Allgemein passen die Feature Gäste u.a Morlockk Dilemma, Mortis One, Tatjana, Kamp, Amaris, Conny Walker und der schon oben erwähnte Sabac Red perfekt in das Konzept der Antihelden. "Damals" und "Glauben" feat. Amaris können vor allem durch den Selbstzweifel, den beide Protagonisten hier beschreiben und durch die unverblümten Erinnerungen an ihre Jugend herausstechen. Generell erfinden die Antihelden hier das Rad nicht neu mit solchen Tracks, passen jedoch hervorragend in das Gesamtkonzept und gehören nicht allein wegen der sauberen Technik der beiden, zu den Favoriten des Albums. Als "Liebeslied"-Partner, darf dann auch der Österreicher Kamp herhalten, um mit reichlich Wortwitz auf „Wie konntest du(Kai Pflaume)“ die Ex-Freundin zu beleidigen. So heißt es dann auch: "Das ist banal, plakativ und erschreckend oberflächlich / passt trotzdem, egal ob 16 oder 60. Man hat Herzen verschüttet, ständig die Schulter geliehen / aber wird dann doch zum Ex- Mann wie Wolverine". Das alles geschieht auf einem wunderbaren Instrumental von Mecstreem der, neben den Snowgoons, für über die Hälfte der Produktionen verantwortlich ist. Dazu stellen Sneezy, Sicknature und Mortis One, der einen Remix zu "Generation Doomed" beisteuert, ihre Künste hinter dem Regler unter Beweis. Generell sind die Produktionen durchgehend gut bis sehr gut und werden nicht nur Oldschool Liebhabern ein breites Grinsen auf die Backen zaubern.

Aber so viel Gutes ich diesem Album auch abzugewinnen habe, so ist doch eine Sache, die mich, wenn auch nur ein bisschen, stört. Songs wie "Geh fick dich" oder "Nennt mich wie ihr wollt" sind zwar rein technisch gesehen starke Tracks, passen aber in meinen Augen nicht in das Album hinein. Für mich sind das nur Lückenfüller, was bei einer Bandbreite von 20 Songs leider vorkommt.

Dennoch kann das nicht die Freude, die ich an diesem Album habe, lindern. Im Gegenteil, "Kein Happy End" ist ein ehrliches, mit frischen Songs aufwartendes Deutschrap Album. Hohe Punshline Dichte, gepaart mit grandioser Technik und verbunden mit kluger Kritik. Hier wird zu keiner Zeit der Zeigefinger erhoben oder eine Lehrermentalität an den Tag gelegt. Abroo und Dra-Q zeigen Probleme auf und geben ihre persönliche Meinung ab. Keineswegs oberflächlich, sondern eher der Finger in der Wunde. In diesem Fall wird sogar eher der gesamte Arm in die Wunde gedrückt und einmal kräftig rumgedreht. Wer genug von Straßenrap hat, sich ehrliche und gute Musik wünscht oder einfach nur ein über Grenzen denkender Musikliebhaber ist, soll hier bitte zuschlagen.


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