Rockstah
»Nerdrevolution«


Unsere Wertung:


 Soeren am 26.10.2010 18:00
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Die Begriffe „Nerd“ oder „Internetrapper“ werden im deutschen Rap des Öfteren mit negativen Gedanken assoziiert, was also, wenn plötzlich jemand genau mit diesen Begriffen auf seine Person aufmerksam macht?
Der gute Kerl, der das macht, nennt sich Rockstah, kommt aus Rottweil und veröffentlicht dieser Tage sein erstes Album „Nerdrevolution“. Wem der Name bekannt vorkommt, braucht sich nicht wundern, da der Hype, der sich um diesen Künstler aufgebaut hat, rund um seine „Glamrockrapper“ – Mixtapeserie, im Internet riesig war. Kann also ein Albumkonzept, das darauf baut den alltäglichen „Nerd“ Alltag zu beschreiben, funktionieren?

Das Album beginnt mit einer kleinen Einführung und Vorstellung von Rockstah und startet mit dem Titeltrack „Nerdrevolution“, welches vorab schon mal alle wichtigen Themen des Albums nennt: Zocken, Unsinn treiben und im Inneren Kind bleiben. Zwar ein starker Eingangssong,welcher jedoch auf das weitere Album bezogen, noch zu den schwächeren gehört. Denn Rockstah’s Stärke liegt vor Allem im Erzählen von Geschichten, meist mit einem humoristischen Hintergrund. So geschehen auf den nächsten Zwei Anspielpunkten: "Sturmfrei"welchen man bereits seit einiger Zeit in Audiovisueller Umsetzung auf YouTube betrachten kann und „Zocken > Ficken“. Besonders Letzterer überzeugt mit seiner herrlich witzigen Art, wenn Rockstah erfolgreich jeder sexuellen Begierde seiner Partnerin entweicht, mit der Begründung weiterhin Videogames spielen zu wollen. Wunderbar!
Das Rockstah nicht nur auf weibliche Gestalten, sondern auch generell auf Menschenmassen verzichten kann, macht er auf „Ich party morgens“ deutlich. 7 Uhr morgens, Kippe, Bier und Rockstah auf der Tanzfläche, so beschreibt er seine ideale Vorstellung eines Club Besuchs. Einer der besten Songs auf dem Album. Dass der gute Herr Nachtsheim, so Rockstah mit bürgerlichen Namen, auch anders kann, beweist er auf meinem absoluten Höhepunkt des Werkes, „Ballparadies“. Hört man noch bei den ersten Durchläufen nur kurz oder nur flüchtig bei diesem Song zu, so brennt er sich immer mehr in den Kopf, bei jedem weiteren Anspielen. Rockstah schildert hier bedrückend, wie er sich von seiner Außenwelt zurückzieht, isoliert in der Kinderwelt des um die Ecke liegenden Wohnfachgeschäftes. Klingt sonderbar? Nerdrevolution!
„Mach das L“, der letzte Track, kann dann wohl noch einmal als Nerd-Hymne herhalten und das 13 Tracks starken Album zu einem runden Abschluss bringen, produziert von Sam Exzellent, der auch für den größten Teil, der sehr guten Instrumentals verantwortlich ist. Desweiteren geben sich die Produzenten Raphael Rasmus, GEE Futuristic und Levon Supreme sich die Ehre.

Man könnte jetzt natürlich, als typischer Rapfan die Befürchtung haben, dass ein solches Album, aufgrund der Themenwahl, recht schnell langweilig werden kann. Zwar hat Rockstah keine perfekte Technik, macht es jedoch mit einem ausgeprägten Wortwitz, seiner, hervorragend zu seinen Songs passenden, Gesangsstimme und seinem Charakter an sich, voll und ganz wett.
Was bleibt also noch zu sagen außer: Rückt die Brille gerade, zieht die Röhrenjeans hoch und genießt dieses Album


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