Alchemist
»Russian Roulette«


Unsere Wertung:


 Adrian am 09.07.2012 12:38
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The Alchemist gilt nicht zu unrecht als einer der wichtigsten Produzenten der Westcoast seit dem Millenium. Nach dem er Beats für Dilated Peoples, Nas, Evidence oder Cypress Hill gebastelt und auch das ein oder andere mal selber zum Mic gegriffen hat, zuletzt mit Oh No als Gangrene, bringt er nun seine dritte eigene LP auf den Markt mit dem Titel „Russian Roulette“, wobei nach eigener Aussage wohl alles auf russischen Samples basiert.


Wer hier gleich an klassische, russische Volksmusik denkt, wird sehr wahrscheinlich überrascht sein, denn was Alc hier durch die MPC gejagt hat, ist funkiger und jazz-lastiger als man sich vorgestellt hat. Trotzdem wahrt sich Alchemist einen russischen Flair, da man besonders bei den Vocal-Einspielern, ob nun eine Art Interview-Sample („Ivans Workout Plan“) oder ein Filmauszug („Adrians World – Champion Song“) ist, spürt, woher die musikalische Basis ihre Herkunft hat. Auf verschnörkelten Orgal- („Crushed Kremlin“), Trompeten- („Junkyard Fight Scene“) oder den viel verwendeten Gitarren-Samples (zum Beispiel auf „Moscow Evenings – Sunset“) bahnen sich die ingesamt 30 (!) Anspielpunkte ihren Weg zwischen Funk, Jazz und dem ein oder anderen Rap Feature. Und ab da kommt der große Knackpunkt ins Spiel: Auf dem Papier lesen sich die namenhaften Features, wie Action Bronson („Devicions Over Veal Orloff“), Evidence („Never Grow Up“), Roc Marciano („The Turning Point“) oder Danny Brown & Schoolboy Q („Fight Confirmation“) richtig gut, nur bei den auf insgesamt 45 Minuten verteilten Endprodukten, weiß man nicht wirklich was man davon halten soll. Während einige der oben genannten, wie zum Beispiel Action Bronson oder Evidence, ihr Bestes geben, tun sich andere Gäste an Alchemists Beats schwer, wie ein AG The Coroner auf „Apollo's Last Stand“, oder passen einfach nicht auf ihren Track, wie die Big Twinz („The Kosmos Pt. 4 – Moon Probe“). Man muss aber zum Schutz einiger MC's sagen, dass es ihnen von Alchemist nicht wirklich leicht gemacht wird. Seine Produktionen sind handwerklich echte Delikatessen, nur wirklich Rapper-freundlich sind sie diesmal nicht. Schwere Kost eben.
Während nämlich auf der einen Seite seine Features nicht immer mit Freude rappen, präsentiert Alchemist ein eher an ein reines Instrumental-Album erinnerndes Werk und genau darin liegt das große Problem des Albums. Es ist weder Fisch noch Fleisch, kein wirkliches Instrumental-Album, aber auch kein typisches Producer-Album, da viele Rapper zwar einen guten Job am Mic machen, aber keine große Harmonie aufkommen mag, weil es sich nicht um die klassischen „Beats“ handelt, sondern mehr um reine Instrumental-Geschichten.


Am Ende ist „Russian Roulette“ genau das, was der Name verspricht: ein Spiel mit dem musikalischen Feuer. An der Problematik zwischen Instrumental- und Producer-Album krankt das ganze Projekt. Beides ist an und für sich solide bis gut, Rapper und Instrumentals. Nur zusammen entsteht selten bis nie eine wirkliche Harmonie. Je öfter man sich jedoch Alchemists neuen Silberling anhört (und dies sollte dann in einem Durchgang passieren), kann aber ein Hörfluss entstehen. Ansonsten bleibt ein schwer zugängliches Projekt, das irgendwo zwischen Instrumental und Producer schwebt, aber zu keiner Seite wirklich passen will.


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