Cro
»Raop«


Unsere Wertung:


 Manuel am 31.07.2012 12:25
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Cro ist ein Phänomen. Nicht Casper oder Farid Bang haben es in den letzten Jahren geschafft, die deutsche Rap-Szene dermaßen zu spalten, sondern ein Panda-Masken tragender Jüngling aus Stuttgart. Nach den beiden frei im Netz erhältlichen Mixtapes „Meine Musik“ und „Easy“, war es nun an der Zeit das erste Album auf den Markt zu bringen. Erwartungsgemäß schoss „Raop“ (Eine Mischung aus den Elementen „Rap“ und „Pop“) natürlich direkt an die Spitze der deutschen Albumcharts – und verweilt dort mittlerweile auch schon seit zwei Wochen. Ob an diesem „Erfolg“ nun die raffinierte Marketingstrategie steckt oder es einfach wirklich Menschen gibt, die nur diese Art von Musik gewartet haben, sei einmal dahingestellt.

Die Beats auf „Raop“ sind, wie aus den ersten beiden Mixtapes schon bekannt, ebenso melodiös und eingängig geraten. Der einzige Unterschied ist, dass Cro auf „Raop“ nun nicht mehr so offensiv samplen durfte. Dafür mussten die Instrumentale nun eingespielt und etliche Male verfremdet werden. Als Gastbeiträge hat er sich, auf dem sonst featurelosen Album, mit Shuko und Dexter zwei Produzenten geholt. Deren Beats passen gut ins Konzept und fallen bei Cros Eigenproduktionen nicht aus der Reihe. Sie greifen die gelassene Stimmung der Texte auf und tragen ihren Teil zum fröhlichen Gesamtwerk bei.
Wenn man Cros Musik betrachtet – unvoreingenommen, ohne jegliche Vorurteile – muss man feststellen, dass er vieles richtig macht. Er spricht einer ganzen Generation Heranwachsender damit aus der Seele, dass er über nichts spricht. Er blendet die Realität aus, schafft für sich und seine Zuhörer eine heile Welt. Trübsinn kommt höchstens durch Liebesprobleme auf („Ein Teil“), alles andere ist halb so wild – oder wahlweise „Geil“, „Krass“ oder „Fett“.
Es ist nicht die Frage, was Cro auf beispielsweise „Geile Welt“, „Einmal um die Welt“ oder „Wir waren hier“ erzählt, das der 17jährige Otto Normal nicht auch berichten könnte. Oder die Frage wo man die einzelnen Lieder, wenn man ihnen das Beat-Fundament entzieht, lyrisch noch voneinander abgrenzt. Die Frage ist eher, warum man sich als Konsument Musik anhört, die einen nicht herausfordert, keine neue Denkanstöße gibt oder aus der alltäglichen Lethargie herausreißt.
Doch die Schuld dafür bei Cro zu suchen, wäre wohl falsch. Er greift den vorherrschenden Zeitgeist auf und betet seine Musik in ihm. Dass dabei auch guter Rap herauskommen kann, zeigt er in den zwei Doubletime-Strophen im „Intro“. Sie sind aber leider die einzigen raptechnisch anspruchsvollen Passagen des Albums. Alles andere ist einfach gestrickt, melodiös verpackt und publikumsdienlich serviert. Jeder kann es mitsingen, jeder kann es mitrappen – Jeder kann zu „King Of Raop“ werden.

Was bleibt, ist ein Debüt, was für die einen wohl das Ärgernis des Jahres, für die anderen das Album des Sommers darstellt. Cro hat es nahezu mit traumwandlerischer Sicherheit geschafft, den vorherrschenden Zeitgeist aufzugreifen und auf Platte zu bannen. „Raop“ ist nicht das innovativste oder gar beste Deutsch-Rap-Album der letzten Jahre - dafür entstammen zu viele Elemente von Cros Musik anderen zeitgenössischen, meist amerikanischen, Rappern. Es wird aber sicher zu einem der Erfolgreichsten zählen.


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Kommentare
Manuel
31.07.12 um 17:58 Uhr.

Es geht um den Trott der Generation, die ich beschrieben habe. Die meisten lenken sich schon durch andere Dinge von den Problemen ab. Cros Musik ist dabei nur ein weiteres Mittel und fällt dann dadurch nicht aus der Reihe - schafft es eben nicht auf die wirklichen Probleme wie Leid,Tod oder Krieg (um es mal auf die Spitze zu treiben) aufmerksam zu machen. Wenn man sich dessen bewusst ist, dann kann einen Raop in den Mindstate bringen, den du beschrieben hast. Da stimm ich dir zu. Rechtschreibpozilei: Widersprechen ohne e
Jay One
31.07.12 um 16:19 Uhr.

ich finde die review gut, muss dir aber in einem punkt wiedersprechen... wenn ich das richtig verstanden habe, meinst du ja das die musik einen nicht aus der alltäglichen lethargie reißt? aber ich finde genau das ist der fall und genau das ist auch das ziel... nicht mehr und nicht weniger... cros musik lenkt uns von unseren problemen ab... wir können einmal alles um uns vergessen und die seele baumeln lassen und abschalten...