Just Music
Reviewarchiv
reviewpictureRoey Marquis II
»Ming«
Zugegeben, gute Alben deutscher Produzenten sind schwerer zu finden als die Logik in den Ausreden italienischer Schifffahrtskapitäne. Auch deshalb fällt es schwer eine Auswahl zu treffen, die dieser Producer Week würdig wäre. Sieht man von „Vorsprechtermin“, Sleepwalkers Werk, auf dem sich die damalige Hamburger Elite gegenseitig die Klinke in die Hand gab, ab und dem vom „King of Rap“ und „reisenden Zonis“ garnierten „Full House“ von Plattenpapst, gibt es wohl nur „Ming“ von Roey Marquis II, was einem bis heute in den Hörgängen rotiert. Dies soll jedoch keine alltägliche Plattenbesprechung sein, schon gar nicht über ein Album, das vor knapp zwölf Jahren releast wurde und im ungebrauchten Zustand nicht mehr erhältlich ist. Viel mehr möchte ich herauskristallisieren, weshalb dieses Werk b... Weiterlesen.
reviewpictureGangrene
»Vodka & Ayahuasca«
Unter „Vodka & Ayahuasca“ können wir uns ein weiteres skurriles Werk zweier erfolgreicher Hip Hop Produzenten vorstellen, denn Alchemist und Oh No melden sich mit dem Nachfolger zu „Gutter Water“ zurück. Schon der Gruppename „Gangrene“, das im Deutschen „Wundbrand“ entspricht, verspricht den Fans intensiven, feurigen Musikgenuss und tiefgründigen Inhalt. Ebenso der Titel und das Cover dieses zweiten Longplayers, das über Decon Inc erschien, wirken verwirrend, fast schon psychopatisch und ergänzen so optimal das Image des Duos. Begleitet von dem komplexen, zum Teil schwer verständlichen Inhalt und den bassreichen Beats begibt man sich auf eine Reise begleitet von Halluzinationen, die aber auf Dauer stark an die Nerven geht. Schon ... Weiterlesen.
reviewpictureApollo Brown
»Clouds«
Auch wenn es viele Rapper nicht wahr haben wollen, ist der Beat der wohl existenziellste Teil der Rapmusik. Der Beat unterstützt die Stimme und ohne den Beat könnte ein Rapper niemals alleine einen kompletten Song tragen. Der Beat kann es dagegen schon, auch ohne einen Typen, der darauf rappt. Diese instrumentale Spielart von HipHop erfreut sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Ob es nun die Beat Fights und die Produzenten rund um das Label Melting Pot Music in Deutschland oder die Blase der sehr experimentierfreudigen Beatmaker rund um Flying Lotus in den USA sind, die Beatgemeinschaft hüben wie drüben ist ein eingeschworener Haufen mit einer soliden Fanbase. Auch Apollo Brown aus Detroit gehört zu jenen, die keine Rapper für ihre Tracks brauchen. Er hat 2011 bereits sein zwe... Weiterlesen.
reviewpicture2Seiten
»Perspek-Tiefen«
Alles im Leben hat 2 Seiten. Bevor der ein oder andere aber das Lesen dieser Review aufgibt, bevor sie überhaupt begonnen hat, kurz die Entwarnung: Dies soll keine Ausarbeitung zum Sinn des Lebens werden. Glaube ich. Denn hier geht es um die so oft erwähnten 2Seiten, um „PerspekTiefen“. Seit circa 13 Jahren ist Back-Draft aka 2Seiten in der Rapszene des Ruhrpotts unterwegs, arbeitet mit verschiedenen namhaften Künstlern aus der Region zusammen, macht sich einen Namen, der es leider nur selten über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus schafft. „PerspekTiefen“ also. Das Album erschien bereits im November des vergangenen Jahres. Es passt beinahe zum Oldschool-Touch von 2Seiten, dass mich dieser Longplayer ganz oldschool über Mundpropaganda erreichte. Drei Monate später also der erste Reinhörer. Dass Back-Draft viel zu sage... Weiterlesen.
reviewpicturePete Philly
»One«
Irgendwie sind wir, was die Herkunft unserer Lieblingsmusik anbelangt, doch sehr festgefahren. Da gibt es Deutschland, die USA, vielleicht Frankreich und den ein oder anderen experimentellen Schwenk in die britische Grime-Szene. Gute Musik ist jedoch keinesfalls durch Ländergrenzen eingeschränkt – genauso wenig wie durch musikalische Genre-Barrieren. Ein Künstler scheint dies besonders gut verstanden zu haben: Sein Name ist Pete Philly, er kommt aus den Niederlanden und hat mit „One“ im vergangenen Oktober sein erstes Soloalbum in der Heimat veröffentlicht, welches ab dem 27. Januar auch hierzulande zu haben sein wird. Gemeinsam mit seinem Partner Perquisite ist Philly schon eine ganze Weile in der weltweiten Musikbranche unterwegs: Zwei Alben, Zusammenarbeiten und Touren mit Kanye West, Talib Kweli und Jame... Weiterlesen.
reviewpictureMarsimoto
»Grüner Samt«
Neben dem momentanen Hype um die zahlreichen Newcomer im Deutschrap, erfährt vor allem ein schizophrenes Genie und Dauerkiffer aus Berlin seinen absoluten Höhepunkt. Bei Four Music scheinen sich Marsimoto und sein Erdenfreund Marteria pudelwohl zu fühlen und so folgt nun nach dem 2010er Erfolgsalbum „Zum Glück in die Zukunft“ von Marteria, das nächste Release dessen Alter Egos. „Grüner Samt“ lehnt nicht nur vom Namen an den Klassiker von Torch an, sondern soll ebenso straighten Hip Hop liefern wie revolutionären Sound etablieren. Die vielen Appetizer in Form von Vorab-Videoauskopplungen, einem Kurzfilm aus der Entstehungszeit des Albums in der spanischen Küstenstadt Granada, sowie dem bequemen Livestream zur Release-Party, ließen die Vorfreude auf dieses Album ins Unermessliche steigen. Die damit exponentiell gestiege... Weiterlesen.
reviewpicturePrinz Pi
»Hallo Musik«
„Lieber toter Rapper, statt lebender Singer/Songwriter“ lautet eine Zeile auf „Optimale Nutzung unserer Ressourcen“ von Kool Savas. Und auch Prinz Pi würde diese Aussage komplett unterstreichen, wie er im Vorfeld seines Releases „Hallo Musik“ verlauten ließ. Niemals würde er solche Musik machen. Eine etwas komische Einstellung für jemanden, der gerade ein Akustikalbum veröffentlicht hat. Doch wie so oft steckt der Teufel wieder mal im Detail. Zunächst einmal handelt es sich bei „Hallo Musik“ komplett um alte Songs, die mithilfe einer Band neu aufgenommen wurden. Es sind also weiterhin Rapsongs und Pi ist nicht plötzlich unter die Sänger gegangen. Und wenn es auf seinem letzten Album hieß „Tschüss deutscher Rap, Hallo Musik“, sollte das nicht heißen, das... Weiterlesen.
reviewpictureMaeckes
»Manx«
Kunst, dass ist zwar ein sehr, sehr weit gefächerter Begriff, aber auf Maeckes' Musik trifft er zu. Wo viele Musiker von sich leichtfertig als „Künstler“ sprechen, kann von Maeckes mit Fug und Recht als „Künstler“ gesprochen werden. Nicht erst bei seinem relativ kopflastigen Konzeptwerk „Kids“ dürfte dies der deutschen Rap-Szene klargeworden sein. Auch seine Theaterproduktion mit seinem Kollaborationspartner Plan B ist ein Indiz dafür, dass sich der Stuttgarter nicht nur auf Musik als Kunstform beschränkt, sondern sich auch in anderen Feldern ausprobiert. Nun erschien vor Weihnachten das nächste musikalische Lebenszeichen des Orsons Mitglieds. Doch was ist „Manx“? Eine EP? Ein Album? Wenn man Maeckes fragt, handelt es sich eher um eine EP, weil dafür kein durchstrukturiertes Konzept ausgearbeitet wurde. Betrachtet man dahingegen jedoch die Trackl... Weiterlesen.
reviewpictureDrake
»Take Care«
Drake hatte es sicher nicht einfach mit seinem neuen Album „Take Care“. Nach seinem gefeierten Debüt „Thank Me Later“ war die Erwartungshaltung riesig und nach den ersten Vorabsingles, die einschlugen wie eine Bombe, wurde nicht weniger als ein moderner Klassiker erwartet. Damit muss man erstmal umgehen können. Doch Drake ist bekanntlich kein Kind von Bescheidenheit und war sich sicher, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die musikalische und inhaltliche Ausrichtung der CD wird schon im Opener „Over My Dead Body“ klar. Er knüpft nahtlos an die Hits vom Vorgängeralbum an, wobei das Intro noch recht minimalistisch gehalten ist. Der Beat ist kein typischer HipHop Beat, sondern plätschert gefühlvoll vor sich hin und ist dabei doch sehr intensiv. Der Sound von Drake und seinem Produzenten u... Weiterlesen.
reviewpictureKool Savas
»Aura«
Den ersten Platz der deutschen Albumcharts hat er zum ersten Mal in seiner Karriere erreicht – mit einem Album, welches im Vergleich zu seinen letzten Werken, wohl am weitesten von leicht konsumierbarer Musik entfernt ist. Die Rede ist natürlich von Kool Savas, Deutschlands selbsternannten King Of Rap. Doch was zeichnet „Aura“ aus, dass es als meistverkauftes Rap-Album in der ersten Verkaufswoche an die Spitze der Hitparade klettern konnte? Überzeugt Savas darauf tatsächlich so sehr oder ist eher der Promo-Hype vor dem Release für diese Platzierung verantwortlich? Fragen, die der folgende Text beantworten soll. Die erste Feststellung, die man macht, wenn man Kool Savas drittes Soloalbum in den Händen hält ist die Tatsache, dass sich „nur“ zwölf Lieder darauf befinden und es somit nur rund 35 Minuten Spielzeit vorweist. Die einen möge... Weiterlesen.

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