Andre vom 16.01.2010 11:59
Kurzgefasst #2
»Es lebe die Oberflächlichkeit«

Ich heiße euch alle Willkommen im neuen Jahr 2010. Kaum haben wir die letzten Reste der Raketenkriege von den Straßen gefegt und uns von den zahlreichen Feiertagen, die hinter uns liegen, erholt – eigentlich widersprüchlich, wo man dies doch an einem Feiertag machen sollte -, ist auch schon wieder die Hälfte des ersten Monats vorbei. Zeit also, dass wir wieder ein wenig für euch zusammenfassen und zurückblicken bei „Kurgefasst #2“. Dieses Mal steht alles im Zeichen der Oberflächlichkeit und gewollten Unwissenheit.

Während Tief Daisy Europa überquert und halb Deutschland in den Tiefen seiner Schneestürme versinken lässt fragt man sich, weshalb Schnee eigentlich immer so spät kommt, nämlich genau dann, wenn Weihnachten schon vorbei ist und man ihn im Grunde gar nicht mehr will. Gleiches fragt man sich auch, beim Blick nach Übersee. Scheinbar muss man mit der Veröffentlichung seines Albums dort so lange warten, bis nach unzähligen Verschiebungen keiner mehr Lust auf das Release hat oder das Album eben „durch ein Versehen“ an glückliche Vorbesteller verschickt wird und schließlich im Internet landet.

Die „Rebirth“ (zu Deutsch: Wiedergeburt) von Lil Wayne lässt also auf sich warten, wenn auch ihr vor einigen Tagen fälschlich im Internet kursierendes Releasedate nun doch wieder widerrufen wurde. Derweil überrascht uns aber ein anderer mit einer Wiedergeburt, an die wohl keiner mehr geglaubt hätte - Biggie. Dies zumindest meinte P. Diddy dieser Tage, nachdem Rick Ross einige scheinbar wahrlich große Zeilen für einen neuen Song einrappte. Ob so ein paar kurze Zeilen eines ehemaligen amerikanischen Beamten jedoch wirklich neben den wahren Streetlifestyle eines Biggies gestellt werden sollten, wissen wir nicht. Aber wer achtet schon auf das Blabla zwischen den Zeilen. Hauptsache ist doch, dass oberflächlich alles übereinstimmt und sich die beiden super ähnlich sehen. P. Diddy muss es ja wissen, mit wem er da Biggie vergleicht.

Dazu kamen dieser Tage noch zahlreiche Meldungen über Gefängnisaufenthalte, Morde und körperliche Auseinandersetzungen aus den USA. Egal ob Benzino und Royce 5'9, die sich wie kleine Kinder verhalten und gegenseitig in Videobotschaften mit Waffengewalt drohen oder Teddy Riley, bei dem der Haussegen schiefhängt. Es scheint sich eine Menge Aggressionspotenzial in den letzten Wochen angesammelt zu haben bei den Rappern, Sängern und Produzenten aus Übersee. Wahrscheinlich mag dies daran liegen, dass die meisten ihre zur Verfügung stehende Zeit und Kraft nicht mehr fürs Musikmachen aufbrauchen, sondern für eben solch belanglose Dinge aufheben. Doch schütteln wir all diese Gedanken wieder schnell von unseren Schultern wie den eisigen Schnee, den Mama Frost auf ihnen hat liegen lassen und danken Gott für die uns heilige Oberflächlichkeit, die uns wieder einmal davor bewahrt, darüber nachzudenken, ob das falsch ist, was dort passiert mit unserer Musik und ob es überhaupt richtig ist, dass aus ihr wieder wie vor einigen Jahren ein riesen Medienzirkus wird und keiner mehr an die Musik denkt.

Zum Abschluss wollen wir allerdings noch kurz einen Blick zurück ins verschneite Deutschland werfen. Leider sehen wir da nicht so viel außer endlos weißer Wiesen und ein gähnend leeres Releasearchiv. Selbst wenn wir zweimal hingucken, bleibt unser Auge noch trocken. Einzig und allein Bushido scheint noch mehr oder weniger musikalische Pläne für die Zukunft zu haben. Mittlerweile kommt es uns zwar mehr so vor, als sei das Album lediglich der Versuch, die noch lauwarme Glut, die in Deutschlands Kamin, geheizt mit Rap, brennt, auszunutzen und sich daran zu wärmen, aber wir sollten uns wieder nicht allzu viele Fragen stellen, sondern uns unsere Oberflächlichkeit beibehalten. Denn schließlich brauchen wir zu körperlichen Kälte nicht auch noch zusätzlich die Kälte in unserem Herzen und Denken hinzuzuholen. Viel schöner ist es doch, zu meinen, alles sei so, wie es sein soll.

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