Lina vom 27.01.2012 09:04
Spot #17
»Sampling im Hip Hop - Copy & Paste Love«

Die Kunst des Samplens ist im Hip Hop mindestens so tief verankert wie das Spiel mit Worten und Vergleichen, das Schütteln der Can, die Schulterschmerzen beim Breakdancen. Menschen jenseits der Jugendkultur Hip Hop rümpfen die Nase, wenn sie einen bekannten Song in einem Raptrack „verunstaltet“ wiederfinden. Ein Grund mehr dieser Musikrichtung jegliche künstlerische Eigenständigkeit abzusprechen. Oder?

Es stimmt schon, der musikalische Anspruch von Hip Hop ist nicht vergleichbar mit dem einer klassischen Arie oder eines Walt-Disney-Songs. Es ist nicht unbedingt erforderlich, neue Melodien zu erschaffen. Der Einfachheit halber bedient man sich dann eben eines trashigen Eurodance Songs, legt ein paar Drums und Snares drunter und fertig ist der fette Beat. Wenn es nur so leicht wäre…

Dass Hip Hop in vielen Punkten mit Parallelkulturen und anderen Popstilrichtungen recht wenig gemein hat, merkt man bereits an der Vortragsweise der Lyrics: Es wird gerappt, gesprochen, nicht gesungen. Der Fokus ist ein anderer, nämlich ein inhaltlicher. Es geht nicht darum, einprägsame, schöne Melodien zu schaffen und so Emotionen zu erzeugen. Vielmehr werden die Gefühle durch die Texte hervorgerufen. Das gibt den Lyrics eine übergeordnete Rolle in einem Rapsong, die man selbst bei Spaß- und Gangsterrap erkennen kann, geht es dort idealerweise doch ebenfalls um das Erzählen einer Geschichte, um Wortwitz, um Reimtechnik. Der ideale Beat unterstreicht das Erzählte, alles fügt sich zusammen, um dem Gesagten einen Sinn zu geben (wobei ich dabei nicht die kreative Bedeutung der Instrumentals herunterstufen möchte, im Gegenteil. Für jeden MC muss es eine besondere Herausforderung sein, die Stimmung eines Beats und die künstlerische Intention des Produzenten mit seinen Worten in Einklang zu bringen).

Was verarbeiten Rapper in ihren Texten? Nun, wie jeder Mutti, die 8 Mile gesehen hat, bewusst sein dürfte, arbeiten zahlreiche MCs das Erlebte in ihren Texten auf. So eine Art Tagebuch über allerlei Ghettoerlebnisse, Enttäuschungen, aber auch durchzechte Clubnächte. Idealerweise geht ein Mikrophonathlet aber auch weiter, öffnet sein Gefühlsleben, und schafft es, seine Erfahrungen auf die Hörer zu übertragen. In jedem Fall handelt es sich oftmals um eine Aufbereitung des Erlebten, des Vergangenen.

Wie setzt man so etwas nun musikalisch um? Irgendwie erscheint es mir fast als das einzig Logische, ein Instrumental zu erschaffen, welches inhaltlich etwas herausstellt, mit dem ich ein Erlebnis verbinde. Der Zugriff auf etwas Vergangenes, auf bereits releaste Musik, scheint naheliegend, als eine Art, musikalischen Respekt zu zeigen – Musik, die man liebt, in sich aufzunehmen, davon zu zehren und dann wieder mit der Welt zu teilen. Copy and paste love.

Dass nicht jeder Song, der auf einem Sample basiert, auf diese naiv-idealistische Art releast wird, ist mir klar. Dennoch ist es in meinen Augen ein schöner Gedanke, um die Tradition des Samplens zu erklären. Und um das Künstlerische darin zu sehen – gehört das Kopieren und in-einen-neuen-Zusammenhang-Bringen doch zu vielen künstlerischen Bereichen.

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