Die Geschichte der Mixtapes - Vom Kofferraum ins World Wide Web
Wer kennt es nicht? Eine Party steht an und man will die größten Partykracher auf einer CD haben. Oder man hat zig Alben zu hause herumfliegen aber findet jeweils nur einige Tracks gut. Im Grunde beginnt hier auch schon die Idee des Mixtapes.
Was macht man heutzutage um diese Probleme zu lösen? Richtig! Man schmeißt den Rechner an, klickt sich eine Playlist zusammen und brennt diese oder packt sie auf den iPod. Doch das war nicht immer so einfach.
Deshalb will ich in diesem Feature die Geschichte der Mixtapes etwas näher beleuchten und Fragen wie „Wo kommt das Tape in Mixtape her?“ beantworten.
Begonnen hat alles, als eine Firma namens Philips, im Jahr 1963, eine neue Tonträgerart vorstellte, die wohl vielen jüngeren Musikfreunden der heutigen Zeit nicht mehr bekannt sein dürfte: Die Compact Cassette, oder einfach Kassette oder Tape. Damit wurde ein Medium geschaffen, das handlich-klein und vor allem billig war, und darüber hinaus jedem Nutzer Aufnahmen aus dem Radio in sehr guter Qualität ermöglichte. Ursprünglich für Diktiergeräte gedacht, sorgten diese Eigenschaften aber dafür, dass die Compact Cassette eine große Verbreitung bei Fans verschiedenster Musikarten fand und allmählich anfing, an der Vorherrschaft der Schallplatte zu rütteln. Als 1970 die ersten Autoradios mit Kassettenabspielfunkton Verbreitung fanden und Sony 1979 den ersten Walkman in die Läden brachte, war der Siegeszug der Kassette nicht mehr aufzuhalten. Die Walkman/Kassetten Kombo wurde Sinnbild der damaligen Jugendkultur, vergleichbar mit dem iPod heute. Endlich war es möglich, die Musik mitzunehmen und jederzeit und überall zu hören.
Kommen wir nun auf das Anfangs erwähnte Problem zurück. Zu Kassettenzeiten gehörte zur Zusammenstellung seiner Lieblingstracks etwas mehr dazu als ein paar Klicks. Es gab mehrere Wege. Einer davon, der wahrscheinlich Langwierigste, war es, im Radio auf seine Lieblingssongs zu warten und diese dann aufzunehmen. Das konnte schon seine Zeit dauern und zumindest zu Beginn der Tape-Zeiten hatte man das Problem, dass die Moderatoren im Radio zum Schluss des Songs rein gesprochen haben. Trotz der Warterei war diese Aufnahmetechnik dennoch sehr beliebt und so war es nur eine Frage der Zeit bis die Radiomoderatoren sich an diesen Trend anpassten und nach Songs ein paar Sekunden nichts sagten. Lobenswert!
Eine weitere und flexiblere Möglichkeit war es, die gewünschten Songs von einer Schallplatte oder anderen Kassette (z.B. von einem gekaufen Album) zu überspielen. Besonders mit Letzterem haben sich viele, nach einer ARD-Umfrage vorwiegend männliche, Jugendliche die Nacht um die Ohren geschlagen. Es war nicht gerade wenig Arbeit, die dahinter steckte. Voraussetzung waren zwei Tapedecks die verbunden wurden oder eine Anlage mit zwei Tapedecks. In ein Deck steckte man die leere oder unbrauchbare Kassette und im anderen Deck begann eine Spulorgie die ihresgleichen sucht. Alle Songs die man auf seiner Wunschkassette haben wollte, musste man auf den entsprechenden Kassetten heraus suchen, zum jeweiligen Songanfang spulen und auf den beiden Decks entsprechend den Record- und Playknopf gleichzeitig drücken. Das war ein Spaß! Und das meine ich ernst, aber so richtig wünsche ich mir diese Zeit auch nicht mehr zurück.
Doch egal welche Aufnahmeart man benutzte, sie alle sorgten für die Geburt der Mixtapes.
Die Beziehung zwischen Schallplatten und Tapes ging im Hip Hop allerdings noch einen Schritt weiter als die reine Tape/Tape Beziehung. Hier mixten die DJ's was das Zeug hält: Trackübergänge, Vocals auf neue Beats, neue Samples, Scratches,... Das ganze Repertoire ihrer Turntable- und Remixkünste wurde ausgepackt und oft auf Tape festgehalten. Das war wiederum die Geburtsstunde der klassischen Hip Hop Mixtapes. Je kreativer, desto besser – das war die Devise.
Ab und zu wurde die DJ Arbeit gepaart mit den Rapkünsten von MCs und es entstanden sogar Mixtapes, die sich ausschließlich bestimmten Themen widmeten wie z.B. Beefs, Freestyles, Remixing, Promo für neue Album Releases, etc. Dadurch wurden unbekannte Rapper oft lokal bekannt und nicht selten sah man, wie Djs ihre Tapes, direkt aus dem Kofferraum oder Rucksack heraus, für wenig Geld verkauften. Mit der Zeit wurden Mixtapes zu einem festen Bestandteil der Hip Hop Kultur.
Doch wie viel Kunst steckt in einem Mixtape? Dazu möchte ich aus dem Wikipedia Eintrag zum Thema Mixtape zitieren: „Viele Mixtape-Begeisterte sind davon überzeugt, dass durch die sorgfältige Auswahl und Festlegung der Reihenfolge der Stücke innerhalb einer Zusammenstellung eine künstlerische Aussage geschaffen werden kann, welche durchaus aussagekräftiger ist als die bloße Summe der einzelnen Lieder.“ Diese Aussage trifft es ins Schwarze. Mixtapes können zum Nachdenken bringen, sie können für Stimmung sorgen oder dafür, dass man sich einfach zurück lehnt und eine super Playlist genießt. Im Hip Hop wird dieser künstlerische Aspekt durch die Arbeit von guten Djs auf eine höhere Stufe gehoben. Wer einmal einen guten Dj gehört und sich vielleicht auch selber einmal an Plattenteller gewagt hat, der wird wissen was ich meine.
1981 erblickte die erste CD offiziell das Tageslicht der Welt, doch die Popularität von Mixtapes auf Kassette blieb noch lange Zeit ungebrochen. Tapes waren immer noch billiger und vor allem war die Aufnahmemöglichkeit sehr weit verbreitet. Erst als CD-Brenner erschwinglich wurden, und das dauerte seine Zeit, verschwanden Kassetten allmählich von der Bildfläche. Die CD-Brenner gepaart mit den Aufnahmemöglichkeiten von Rechnern sorgten dafür, dass sie schlicht weg überflüssig wurden.
Doch so leicht war das Mixtape dann doch nicht wegzukriegen. Selbst die Dj-Werke auf CD wurden weiterhin Mixtapes genannt. Neues Medium, altes Spiel. Und im Grunde hat sich bis heute nichts geändert. Wir leben in der Zeit des Internets, wo mp3s das wohl am weitesten verbreitete Musikmedium darstellen, und trotzdem sprechen wir weiterhin von Mixtapes. Auch am Prinzip von diesen hat sich nicht viel getan. Immer noch versuchen Djs damit ihre Künste zu verbreiten, immer noch werden Songs zusammengestellt und ineinander gemischt, immer noch werden sie für Promo zu kommenden Releases genutzt. Gepaart mit den Möglichkeiten des Internets finden die Erschaffer sogar eine breitere Masse als früher. Aber egal ob aus dem Kofferraum heraus oder als Free Download im Internet: Das Mixtape ist durch seine Geschichte in der Hip Hop Welt unsterblich geworden.
Was macht man heutzutage um diese Probleme zu lösen? Richtig! Man schmeißt den Rechner an, klickt sich eine Playlist zusammen und brennt diese oder packt sie auf den iPod. Doch das war nicht immer so einfach.
Deshalb will ich in diesem Feature die Geschichte der Mixtapes etwas näher beleuchten und Fragen wie „Wo kommt das Tape in Mixtape her?“ beantworten.
Begonnen hat alles, als eine Firma namens Philips, im Jahr 1963, eine neue Tonträgerart vorstellte, die wohl vielen jüngeren Musikfreunden der heutigen Zeit nicht mehr bekannt sein dürfte: Die Compact Cassette, oder einfach Kassette oder Tape. Damit wurde ein Medium geschaffen, das handlich-klein und vor allem billig war, und darüber hinaus jedem Nutzer Aufnahmen aus dem Radio in sehr guter Qualität ermöglichte. Ursprünglich für Diktiergeräte gedacht, sorgten diese Eigenschaften aber dafür, dass die Compact Cassette eine große Verbreitung bei Fans verschiedenster Musikarten fand und allmählich anfing, an der Vorherrschaft der Schallplatte zu rütteln. Als 1970 die ersten Autoradios mit Kassettenabspielfunkton Verbreitung fanden und Sony 1979 den ersten Walkman in die Läden brachte, war der Siegeszug der Kassette nicht mehr aufzuhalten. Die Walkman/Kassetten Kombo wurde Sinnbild der damaligen Jugendkultur, vergleichbar mit dem iPod heute. Endlich war es möglich, die Musik mitzunehmen und jederzeit und überall zu hören.
Kommen wir nun auf das Anfangs erwähnte Problem zurück. Zu Kassettenzeiten gehörte zur Zusammenstellung seiner Lieblingstracks etwas mehr dazu als ein paar Klicks. Es gab mehrere Wege. Einer davon, der wahrscheinlich Langwierigste, war es, im Radio auf seine Lieblingssongs zu warten und diese dann aufzunehmen. Das konnte schon seine Zeit dauern und zumindest zu Beginn der Tape-Zeiten hatte man das Problem, dass die Moderatoren im Radio zum Schluss des Songs rein gesprochen haben. Trotz der Warterei war diese Aufnahmetechnik dennoch sehr beliebt und so war es nur eine Frage der Zeit bis die Radiomoderatoren sich an diesen Trend anpassten und nach Songs ein paar Sekunden nichts sagten. Lobenswert!
Eine weitere und flexiblere Möglichkeit war es, die gewünschten Songs von einer Schallplatte oder anderen Kassette (z.B. von einem gekaufen Album) zu überspielen. Besonders mit Letzterem haben sich viele, nach einer ARD-Umfrage vorwiegend männliche, Jugendliche die Nacht um die Ohren geschlagen. Es war nicht gerade wenig Arbeit, die dahinter steckte. Voraussetzung waren zwei Tapedecks die verbunden wurden oder eine Anlage mit zwei Tapedecks. In ein Deck steckte man die leere oder unbrauchbare Kassette und im anderen Deck begann eine Spulorgie die ihresgleichen sucht. Alle Songs die man auf seiner Wunschkassette haben wollte, musste man auf den entsprechenden Kassetten heraus suchen, zum jeweiligen Songanfang spulen und auf den beiden Decks entsprechend den Record- und Playknopf gleichzeitig drücken. Das war ein Spaß! Und das meine ich ernst, aber so richtig wünsche ich mir diese Zeit auch nicht mehr zurück.
Doch egal welche Aufnahmeart man benutzte, sie alle sorgten für die Geburt der Mixtapes.
Die Beziehung zwischen Schallplatten und Tapes ging im Hip Hop allerdings noch einen Schritt weiter als die reine Tape/Tape Beziehung. Hier mixten die DJ's was das Zeug hält: Trackübergänge, Vocals auf neue Beats, neue Samples, Scratches,... Das ganze Repertoire ihrer Turntable- und Remixkünste wurde ausgepackt und oft auf Tape festgehalten. Das war wiederum die Geburtsstunde der klassischen Hip Hop Mixtapes. Je kreativer, desto besser – das war die Devise.
Ab und zu wurde die DJ Arbeit gepaart mit den Rapkünsten von MCs und es entstanden sogar Mixtapes, die sich ausschließlich bestimmten Themen widmeten wie z.B. Beefs, Freestyles, Remixing, Promo für neue Album Releases, etc. Dadurch wurden unbekannte Rapper oft lokal bekannt und nicht selten sah man, wie Djs ihre Tapes, direkt aus dem Kofferraum oder Rucksack heraus, für wenig Geld verkauften. Mit der Zeit wurden Mixtapes zu einem festen Bestandteil der Hip Hop Kultur.
Doch wie viel Kunst steckt in einem Mixtape? Dazu möchte ich aus dem Wikipedia Eintrag zum Thema Mixtape zitieren: „Viele Mixtape-Begeisterte sind davon überzeugt, dass durch die sorgfältige Auswahl und Festlegung der Reihenfolge der Stücke innerhalb einer Zusammenstellung eine künstlerische Aussage geschaffen werden kann, welche durchaus aussagekräftiger ist als die bloße Summe der einzelnen Lieder.“ Diese Aussage trifft es ins Schwarze. Mixtapes können zum Nachdenken bringen, sie können für Stimmung sorgen oder dafür, dass man sich einfach zurück lehnt und eine super Playlist genießt. Im Hip Hop wird dieser künstlerische Aspekt durch die Arbeit von guten Djs auf eine höhere Stufe gehoben. Wer einmal einen guten Dj gehört und sich vielleicht auch selber einmal an Plattenteller gewagt hat, der wird wissen was ich meine.
1981 erblickte die erste CD offiziell das Tageslicht der Welt, doch die Popularität von Mixtapes auf Kassette blieb noch lange Zeit ungebrochen. Tapes waren immer noch billiger und vor allem war die Aufnahmemöglichkeit sehr weit verbreitet. Erst als CD-Brenner erschwinglich wurden, und das dauerte seine Zeit, verschwanden Kassetten allmählich von der Bildfläche. Die CD-Brenner gepaart mit den Aufnahmemöglichkeiten von Rechnern sorgten dafür, dass sie schlicht weg überflüssig wurden.
Doch so leicht war das Mixtape dann doch nicht wegzukriegen. Selbst die Dj-Werke auf CD wurden weiterhin Mixtapes genannt. Neues Medium, altes Spiel. Und im Grunde hat sich bis heute nichts geändert. Wir leben in der Zeit des Internets, wo mp3s das wohl am weitesten verbreitete Musikmedium darstellen, und trotzdem sprechen wir weiterhin von Mixtapes. Auch am Prinzip von diesen hat sich nicht viel getan. Immer noch versuchen Djs damit ihre Künste zu verbreiten, immer noch werden Songs zusammengestellt und ineinander gemischt, immer noch werden sie für Promo zu kommenden Releases genutzt. Gepaart mit den Möglichkeiten des Internets finden die Erschaffer sogar eine breitere Masse als früher. Aber egal ob aus dem Kofferraum heraus oder als Free Download im Internet: Das Mixtape ist durch seine Geschichte in der Hip Hop Welt unsterblich geworden.
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